Der ,,Islamfeindlichkeit” mit Dialog entgegenwirken

15. Januar 2013, News

Neue Verbote sind der falsche Weg

Die Forderung des Zentralrats der Muslime, Straf- und Gewalttaten gegen Muslime gesondert zu erfassen und als eigenständigen Tatbestand zu werten, sieht die FDP Kerpen als kritisch und nicht hilfreich an. Laut Aiman Mazyek, Vorsitzender des Zentralrats der Muslime, werden Übergriffe gegen Muslime unter dem Oberbegriff Fremdenfeindlichkeit geführt, was dazu führe, dass die Dimension der Islamfeindschaft dadurch verschleiert werden würde.

,,Es ist zwar richtig, dass die Mehrheit der Deutschen große Ressentiments und zum großen Teil unberechtigte Vorurteile gegenüber dem Islam haben,” sagt Tamer Kandemir, Sprecher der FDP Kerpen. ,,aber in einer Demokratie haben die Bürgerinnen und Bürger auch das Recht, eine religiöse Gruppe oder eine Nationalität nicht mögen zu müssen. Durch einen Verbot per Gesetz gegen eine neuen Form des Rassismus, die sich gegen den Islam oder Muslime richten soll, kann kein Problem gelöst werden.”

Kandemir ist der Auffassung, dass Ressentiments in einer Gesellschaft geduldet werden müssen. ,,Die freiheitlich demokratische Grundordnung und der Rechtsstaat sind ein gemeinsames Fundament. Zu diesem gehört selbstverständlich auch die Vielfalt der Kulturen, Religionen, Traditionen und Gewohnheiten als verbindliche Statik für ein friedliches Zusammenleben. Wird dieses Fundament durch Fremdenhass und Rassismus jeder Art erschüttert, ist der Paragraph 130 des Strafgesetzbuches eine wirksame und ausreichende Antwort des Rechtsstaates.”

Kandemir sieht Kerpen als Vorbild für andere Städte und Gemeinden. ,,Integration findet vor allem im direkten Umfeld der Beteiligten statt. Die Stadt und die Kirchen, wie auch verschiedene Verbände arbeiten sehr intensiv mit den beiden Kerpener Moscheegemeinden zusammen. Es wurden früh Integrationsmaßnahmen gesetzt, mit dem Ergebnis, dass Immigranten gegenüber eine positive Stimmung herrscht und ihre Anwesenheit als normal betrachtet wird,” betont Kandemir weiterhin. ,,wichtig für ein friedliches und harmonisches Zusammenleben ist ein intensiver und interreligiöser Dialog. Dadurch wird die Bereitschaft erreicht, sowohl kulturelle Gemeinsamkeiten als auch kulturelle Differenzen zu betrachten. Die wichtigsten Voraussetzungen sind gegenseitiges Vertrauen und eine Zusammenarbeit, die nicht nur auf eine kurzfristige, sondern auf eine lang andauernde und zuverlässige Form der Zusammenarbeit abzielen. Eine gemeinsame Verantwortlichkeit dafür, das Leben gemeinsam zu gestalten. Dass das funktioniert kann, sieht man jedes Jahr am Tag der offenen Moschee, an dem zahlreiche Menschen in Kerpen die Gelegenheit nutzen, die Moscheen in der Nachbarschaft zu besuchen und sich über den Islam auszutauschen.” Sehr erfolgreich war laut Kandemir ebenfalls das Fest der Kulturen, das von dem Kerpener Verein Vielfalt der Kulturen in Kerpen e.V. organisiert und letztes Jahr in der Kerpener Europa-Schule veranstaltet wurde. ,, Der Zentralrat der Muslime hat sicherlich in der Form recht, dass in Deutschland wie auch in Europa eine Islamophobie nicht ausgeschlossen werden kann. Man wird diesem aber nicht mit Verboten oder ähnlichen Maßnahmen entgegenwirken können, sondern nur mit Dialog, gemeinsamen Aktionen und langfristiger Zusammenarbeit. Neue Verbote sind immer ein leichter Weg, sich aus der Verantwortung zu ziehen. Wir stellen uns unserer Verantwortung und gehen den Weg des interkulturellen und interreligiösen Dialoges für eine tolerante, freiheitliche Gesellschaft in Kerpen und Deutschland.” so Kandemir.