Wahl-o-Mat = Weniger Nichtwähler?

12. Dezember 2013, Kommentar aus Kerpener Sicht

Es ist mittlerweile nicht mehr zu übersehen, dass in Deutschland die Anzahl der Nichtwähler zwar nicht rasant, aber seit Jahrzehnten konstant steigt. Dass dadurch die Demokratie gefährdet ist, kann sicherlich ausgeschlossen werden, auch wenn einige Institutionen und insbesondere Parteien auf den Boykott einer Bevölkerungsschicht an einem demokratischen Prozess überreagieren, sogar in Panik verfallen. Betrachtet man dagegen die statistische Historie, ist die Wahlbeteiligung in der Bundesrepublik stets auf einem hohen Stand gewesen.

Bei den ersten freien und demokratischen Wahlen 1949 betrug die Wahlbeteiligung 78,5 %, was in Anbetracht der Tatsache, dass eine intakte Infrastruktur nach dem Krieg völlig fehlte, beachtlich ist. Die Wahlbeteiligung nahm in den darauf folgenden Jahren stetig zu, erreichte im Jahre 1972 ihren Höhepunkt und mit 91,1 % die höchste Beteiligung in der Geschichte der jungen Bundesrepublik. Im Durchschnitt gingen später 77,7 % der wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger im wiedervereinigten Deutschland zur Wahlurne, während 2009 die Anzahl der Nichtwähler einen vorläufigen Höhepunkt erreichte und insgesamt 29,2 % der wahlberechtigten Bevölkerung den Gang an die Wahlurne verweigerte.

Unentschlossene Bürgerinnen und Bürger und insbesondere Nichtwähler versucht man nun mit verschiedenen Möglichkeiten wieder zur demokratische Teilhabe zu bewegen. Ein mittlerweile beliebtes Instrument ist der sogenannte Wahl-o-Mat. Es handelt sich dabei um ein interaktiven Wahlhelfer, der die Bürgerinnen und Bürger mit dem aktuellen Wahlprogramm der Parteien vertraut machen soll und mit ihr getestet werden kann, welche Partei den Ansichten eines potentiellen Wählers am nächsten kommt.

Es ist sicherlich nicht zu übersehen, dass auch Nichtwähler damit angesprochen werden sollen. Sogar apolitisch eingestellte Bevölkerungsgruppen können sich ihrer Neugierde nicht entziehen und arbeiten sich durch die Fragen. Dass die Mehrheit der Teilnehmer sich über das Ergebnis überrascht zeigen, ist sicherlich nicht verwunderlich. Es wird eine Partei mit der höchsten Übereinstimmung angezeigt, die man im Normalfall nicht wählen würde.

Diese Partei durch einen interaktiven Wahlhelfer vorgeblendet zu bekommen, lässt eine gewisse Seriosität vermissen. Denn die Fragen, die an die Parteien zugesendet wurden und für die Auswertung im Wahl-o-Mat relevant sind, können gerade von diesen Parteien größtenteils ähnlich beantwortet werden. Es sind oberflächliche Fragen, die nicht in die Tiefe gehen und das Kritische, das meistens die wahre Identität einer Partei aufdeckt, wird vermieden.

Was der Wahl-o-Mat aber zeigt, ist, dass die vorgeblendeten Fragen die Werte, Lebenseinstellung und Lebensauffassung eines Menschen nicht in die Tonne zu hauen vermag. Es wird vergessen, dass auch Nichtentschlossene und sogar Nichtwähler Werte haben, die sie in die Politik und letztendlich in die Parteien projizieren. Ein Konservativer würde nicht die SPD, ein Sozialdemokrat nicht die CSU und liberaler Freidenker nicht die NPD wählen. Auch wenn der digitale Wahlhelfer auf Grund der getätigten Auswahl auf die Fragen es wohl anders sieht. Im Selbsttest war die FDP mit der SPD gleichauf, was auch mich sehr verwunderte. Denn ich bin liberal und der Liberalismus wollte immer, dass sich Bürger kreativ mit möglichst wenig Bevormundung durch den Staat frei entfalten können. Liberale fordern deshalb auch immer die Verantwortung des Einzelnen, der alle Chancen in einer freien Marktwirtschaft erhalten soll. Also genau das Gegenteil von dem, was die Sozis verlangen.

Werte stehen stets an erster Stelle und sie müssen mit einer Partei kompatibel sein. Eine Partei zu wählen, nur weil einige Fragen im Wahl-o-Mat den Ansichten entspricht, ist zu kurz gegriffen. Wenn der Wahlhelfer es aber schafft, einige Nichtwähler dadurch doch an die Wahlurne zu bewegen, sollte man ihm Respekt zollen. Der Wahl-o-Mat will aber nach eigenen Angaben keine Wahlempfehlung abgeben, sondern nur informieren. Dabei sollte man es letztendlich aber auch belassen.