FDP Kerpen fordert neues Friedhofskonzept

30. November 2014, News
Tamer

Tamer Kandemir

In einem landesweiten Gebührenvergleich bei Sargbestattungen, den der Bund der Steuerzahler angestellt hat, ist Kerpen mit Gebühren von insgesamt 6.088 Euro einsamer Spitzenreiter. Die FDP Kerpen sieht sich damit in ihrer Kritik bestätigt, dass die Friedhofsgebühren in Kerpen zu hoch sind.

Mit einer Anfrage in der letzten Sitzung des Integrationsrates bezog sich die FDP auf die Möglichkeit der Bestattung nach muslimischer Art, die in Kerpen nunmehr möglich ist, aber von Muslimen  bisher beispielsweise auf Grund der hohen Gebühren eher wenig genutzt wurde. Die Liberalen waren der Ansicht, dass in der Bevölkerung der Eindruck entsteht, dass zwar die Möglichkeit geschaffen wurde, nach muslimischer Art bestattet zu werden, aber die hohen Gebühren gleichzeitig verhindern sollen, dass diese Möglichkeit auch genutzt werden kann. Kritisiert wurde zudem, dass die muslimische Bestattung in die Kategorie der Wahlgräber eingeordnet wurde, was damit begründet wird, dass die Nutzungsdauer eines Wahlgrabes verlängert werden kann, während eine Verlängerung der Nutzungsdauer bei einem Reihengrab nicht möglich sei. Nach Meinung des Sprechers der FDP Kerpen, Tamer Kandemir,  ist diese Vorgehensweise jedoch als kritisch anzusehen, da Muslime keine entsprechende Wahlmöglichkeit für eine letzte Ruhe vor Ort haben, weil auf Grund der Besonderheit einer muslimischen Bestattung insgesamt keine Alternative gegeben ist.

Kritisiert wurde des Weiteren, unabhängig von der Bestattung nach islamischem Ritus, die hohe Belastung für Kerpener Bürgerinnen und Bürger bei einer Entscheidung für ein Wahlgrab. Dabei wurden Vergleiche angestellt zu anderen Kommunen im Rhein-Erft-Kreis, die mit ihren Gebühren weit unter dem von Kerpen liegen. Begründet werden die hohen Kosten mit den Grundstückswerten, die sich an den wirklichen Grundstückspreise in der Stadt orientieren würden. „Ich halte diese Aussage für bedenklich. Denn dann würde es bedeuten, dass entweder Kerpen korrekt kalkuliert und alle anderen Städte falsch, oder Kerpen kalkuliert falsch und dafür die anderen Städte korrekt.“ Kandemir verweist unter diesem Gesichtspunkt auf die geplante drastische Erhöhung der Friedhofsgebühren der Stadt Frechen im nächsten Jahr. Geplant ist, die Kosten für Reihengräber um 60 % und Urnenbestattungen um 40 % zu steigern. ,,Trotz dieser drastischen Maßnahmen liegen die Friedhofsgebühren in Frechen auch zukünftig weit unter denen der Kosten in Kerpen.“

Als positiv sieht dagegen Kandemir die niedrigen Kosten für Urnenbestattungen, für die sich auch in Kerpen immer mehr Menschen entscheiden. Aber auch hier müsse man sich fragen, ob es nicht einen Schiefstand bei der Gebührenfestlegung gäbe, eine Bestattungsmöglichkeit extrem niedrig zu halten und dafür eine andere ungewöhnlich hoch zu belasten. Es müsse  geprüft werden, ob nicht die Gebühren für Wahlgräber reduziert werden sollen, während gleichzeitig andere Friedhofsgebühren erhöht werden können. „Es ist zwar korrekt, dass solche gemeindlichen Einrichtungen möglichst kostendeckend arbeiten sollen und die Gebühren dementsprechend festgelegt werden müssen. Aber in Kerpen befinden sich Aspekte in der Friedhofsgebührenfestlegung, die unbedingt zu prüfen und ggfls. zeitnah zu korrigieren sind. Beispielsweise machen die kalkulatorischen Zinsen den größten Teil des zu deckenden Kostenvolumens aus. Der Zinssatz muss nach allgemeiner Meinung angemessen sein. Ebenfalls muss für die städtischen Friedhöfe eine Kostenbetrachtung erstellt werden, die auch mögliche ehrenamtlichen Leistungen der Bürger berücksichtigt, zu denen viele Bürger bereit sind.“

Einen wichtigen Ansatz bei der Lösungsfindung sieht die FDP Kerpen im Besonderen bei dem im vorletzten Jahr gebildeten, aber nicht weiterverfolgten Workshop, der wieder aufgelebt werden lassen soll. In Folge dieses Workshops sollen in einer Kommission Situations – und Grundlagenanalysen der Kerpener Friedhöfe erarbeitet werden, die für die zukünftige Gebührenfestsetzung die entsprechende Statik bilden soll. Neben der Politik und Verwaltung sollen auch interessierte Bürgerinnen und Bürger in den Workshop mit einbezogen werden. ,,Es ist schon deprimierend, ständig die schwierige Haushaltslage in Kerpen vorgehalten zu bekommen.  Ich kann mich an kein Jahr erinnern, an dem in Kerpen die Haushaltslage nicht schwierig war. Das kann nicht bedeuten, dass deshalb Bürgerinnen und Bürger, wie auch die Wirtschaft unserer Stadt mit weiter steigenden Steuern und Gebühren immer mehr Spitzenpositionen in NRW einnimmt und sogar die letzte Ruhe schon fast unbezahlbar ist. Stattdessen muss endlich die Ausgabenseite intensiv und möglichst ohne Tabus beleuchtet werden, denn die Stadt nimmt nicht zu wenig ein, sondern sie gibt zu viel aus.“ so Kandemir weiter.