FDP Kerpen: Deutsche Post-Mitarbeiter über Tarifabschluss enttäuscht

14. Juli 2015, News
Tamer

Tamer Kandemir

Vier Wochen Streik, Millionenschaden und viel Ärger mit Kunden. Auch die Freidemokraten in Kerpen sind erleichtert über die Einigung auf einen Tarifabschluss zwischen der Deutschen Post /DHL und der Gewerkschaft Verdi. Demnach soll 2016 der Lohn um insgesamt 2 Prozent erhöht werden, es erfolgt eine Einmalzahlung in Höhe von 400 €. Um weitere 1,7 Prozent steigen die Löhne der Post-Bediensteten im Jahr 2017. Trotzdem übt Tamer Kandemir, Sprecher der FDP Kerpen und Vorsitzender der Liberalen Arbeitnehmer e.V, Kritik am Ergebnis der Verhandlungen. Nach Meinung des liberalen Politikers würde das verhandelte Ergebnis dem Aufwand des mehrere Wochen andauernden Arbeitskampfes nicht gerecht werden. Daher herrscht bei ihm Unverständnis, warum man für diese Erhöhung vier Wochen streiken musste und die Deutsche Post/DHL sich dermaßen vehement gegen diese minimale Erhöhung gesträubt hätte. Für ihn handelt es sich im Grunde nur um eine normale Lohnerhöhung, die auch im Normalfall ohne Streik hätte verhandelt werden können.

Kandemir, selbst Verdi-Mitglied, sieht das Streikrecht als unantastbar an, denn es handele sich um ein hohes demokratisches Gut und durch Artikel 9 des Grundgesetzes geschützt. Jedoch kann er die Zufriedenheit der Gewerkschaft Verdi nicht nachvollziehen. Dabei bezieht er sich auf die Verhandlungsführerin und stellvertretende Verdi Vorsitzende Andrea Kocsis, die betonte, dass sie mit dem Abschluss sehr zufrieden sei. Nach Auffassung des Sprechers der FDP jedoch ist das Ergebnis in jeder Hinsicht gegen die Interessen der Arbeiter und Angestellten gerichtet und die eigentliche Gewinnerin ist die Deutsche Post AG. „140.000 Mitarbeiter des Konzerns bekommen mehr Gehalt, zudem sind Kündigungen für die nächsten vier Jahre ausgeschlossen. Jedoch ist die minimale Lohnerhöhung gemessen an der Inflation eine Null-Runde und die Forderung nach zweieinhalb Stunden Arbeitszeitverkürzung wurde komplett fallen gelassen. Trotz steigenden Arbeitsaufkommens bleibt die Wochenarbeitszeit bei 38,5 Stunden. Dagegen bleiben auch die neu gegründeten Regionalgesellschaften der DHL Delivery mit ihrem im Vergleich extrem niedrigeren Löhnen bestehen.“ Die Deutsche Post AG hatte zu Beginn des Jahres 49 neue Tochtergesellschaften gegründet, die unter dem Namen DHL Delivery GmbH firmieren und unter den Tarifvertrag der Fracht- und Logistikbranche fallen, deren Lohnniveau 20 Prozent unter dem Tarifvertrag der Deutschen Post liegt. Selbst nach vier Wochen Leere in den Briefkästen zeigten nach Aussage Kandemirs noch 63 Prozent der Bürger Verständnis für den Arbeitskampf, so das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov. „Am Ende hat dieser Rückhalt der Gewerkschaft Verdi nicht viel gebracht. Für die schlagkräftige Gewerkschaft ist das nach vier Wochen Streik eher eine enttäuschende Ausbeute.“

Besonders kritisiert Kandemir die Vorgehensweise  des Postvorstandes im laufenden Streik. „Die Geschäftsführung intervenierte nach meinem Verständnis mit Härte gegen die Streikenden. Beamte wurden als Streikbrecher eingesetzt, Privatleute und Familienangehörige der Beamten wurden kurzfristig zur Auslieferung von Paketen auch am Sonntag eingesetzt. Gleichzeitig wurden befristet Beschäftigte unter Druck gesetzt, indem eine Weiterbeschäftigung nur in Aussicht gestellt wurde, wenn sie sich dem Streik anschließen würden. Zudem hätten auch nicht befristete Postbeschäftigte berichtet, dass sie von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt worden seien, nicht mit zu streiken. Insgesamt fragt man sich, wie der Bund als Anteilseigner an der Deutschen Post zur Vorgehensweise der Geschäftsführung im laufenden Streik überhaupt gestanden hat und inwieweit sie die Unternehmenspolitik unterstützt. Fakt ist jedoch, dass die Verdi in diesem Streik insgesamt keine gute Figur gemacht hat. Man muss befürchten, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den nächsten Jahren das Vertrauen in ihre Gewerkschaft verlieren und in Zukunft ihre Unterstützung verweigern könnten. Denn wir wissen auch aus vielen Quellen, dass die Unzufriedenheit über das Ergebnis sehr groß ist und die Mehrheit sich fragt, wofür man überhaupt dermaßen gestreikt hätte.“ so Kandemir.