Antrag: Stadtplanerische Fortentwicklungen im Zuge des zunehmenden Bedarfs an Wohnflächen

28. September 2016, Anträge / Anfragen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

wir bitten Sie o.g. Punkt auf die Tagesordnung der nächsten Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Verkehr der Kolpingstadt Kerpen zu nehmen und nachfolgenden Antrag zur Abstimmung zu stellen.

Beschlussvorschlag:

Der Ausschuss für Stadtplanung und Verkehr beauftragt die Verwaltung, Möglichkeiten für eine weitere Erhöhung der Wohnkapazitäten in der Kolpingstadt Kerpen aufzuzeigen. Sie soll dabei sowohl weitere Möglichkeiten der inneren Verdichtung, von Siedlungsentwicklung an den Rändern der bestehenden Stadtteile und darüber hinausgehenden Maßnahmen vorschlagen. Der Ausschuss ist einzubinden, sobald diese Möglichkeiten fundiert dargestellt werden können. Der Ausschuss wünscht, die Bürgerinnen und Bürgern vor Ort in evtl. Planungsprozesse eng und so frühzeitig einzubinden, wie es eine fundierte Stadtentwicklungsplanung zulässt. Er hält das etablierte Bürgerwerkstattverfahren hierbei für ein geeignetes Instrument.

 Die Verwaltung wird ferner beauftragt, eine stadtplanerische Entwicklung in folgenden Stadtteilräumen der drei größten Kerpener Stadtteile sukzessive einzuleiten:

  • Für den Stadtteil Buir sollen die in den beiden Bürgerwerkstätten des Jahres 2015 skizzierten Planungsoptionen weiterentwickelt werden. Dies schließt die Projektmöglichkeiten, wie im Wettbewerbsbeitrag der Kolpingstadt Kerpen zum Ideenwettbewerb der Innovationsregion Rheinisches Revier (IRR) „Energie & Wohnen in Kerpen Ortsteil Buir“ skizziert, mit ein.
  • Für den Stadtteil Horrem soll – unter Beachtung einer Beschlusslage zum Gleisdreieck – das Areal rund um den Bahnhof fortentwickelt werden. Dies soll möglicherweise auch folgende Bereiche umfassen: Bahnhofsstr., Parkplätze und evtl. anders nutzbare Infrastruktur an der Oscar-Straus-Straße und am westlichen Ende der Straße ‚Auf dem Postberg‘, Deponie/Quarzwerke an der Josef-Bitschnau-Straße sowie die Eisenbahninfrastrukturfläche zwischen der Fläche im Gleisdreieck und Klara-Marie-Faßbinder-Straße nach Umwandlung der derzeitigen RB 38 in die S-Bahn-Linie 12 (gem. Planung des S-Bahn-Liniennetz 2025 des ZV NVR)
  • Für den Stadtteil Kerpen soll geprüft werden, ob und wie eine Stadtentwicklung an das ISEK Maastrichter Straße anschließend Richtung Westen bis zur Kreisstraße 17 möglich ist.
  • Für den Stadtteil Sindorf soll die Ost-West-Achse entlang der Eisenbahninfrastruktur fortentwickelt werden. Dies umfasst den Marga und Walter-Boll-Platz, wobei die bisherige Entwicklung als grüne Lunge des Sindorfer Kerns beibehalten werden soll, das Areal des Zentralplatzes, die derzeitigen Freiflächen rund um das Jugendzentrum und die Glas­fabrik und die Flächen rund um die Hermann-Löns-Straße. Hierbei soll insbesondere auch die Etablierung von Wohnräumen für Seniorinnen und Senioren eruiert werden.

Bei der Entwicklung von Wohnflächen soll der Erhalt der derzeitigen Lebensqualität und des ökologischen Gleichgewichts berücksichtigt werden. Grünflächen sollen in überdurchschnittlichem Maße eingebunden werden. Die Planungen sollen somit auch Aussagen und Elemente der Attraktivitätssteigerung der Kolpingstadt Kerpen enthalten.

Die Planungskonzepte sollen neue Wohnräume für alle Bevölkerungsschichten ermöglichen. Dies umfasst einerseits sowohl junge Familien, wie auch Seniorinnen und Senioren. Andererseits soll auch Wohnraum für sozial Schwache geschaffen werden, aber auch für diejenigen, die sich einen besonders gehobenen Wohnstandard wünschen.

Der interkommunale Abstimmungsprozess der Gewerbeflächenentwicklungsplanung ist bei der Umsetzung dieses Beschlusses zu berücksichtigen.

Die Verwaltung wird beauftragt frühzeitig – spätestens aber mit Vorlage der Entwürfe des Haushaltsplans und des Stellenplans – mitzuteilen, ob zusätzliche Ressourcen für die Umsetzung dieses Beschlusses benötigt werden.

Begründung:

Nach der aktuellen Analyse von IT.NRW (siehe Cicholas & Ströker: Vorausberechnung der Bevölkerung in den kreisfreien Städten und Kreisen Nordrhein-Westfalens 2014 bis 2040/2060, Düsseldorf 2015) gehen die Statistiker von einer Bevölkerungszunahme im Rhein-Erft-Kreis bis 2040 von 8,2 % bezogen auf das Jahr 2014 aus (Ebd.: S. 17). Hierbei ist die zunehmende Flüchtlingsbewegung im vergangenen Jahr noch nicht erfasst. Durch die zentrale, verkehrsgünstige Lage der Kolpingstadt Kerpen ist somit von einer Bevölkerungszunahme von mind. 5.300 BürgerInnen bis 2040 auszugehen. Ein Zuwachs in der Größenordnung des Stadtteils Buir (3.900 in 2015) kann dabei bereits in 2029 erreicht werden.

Bereits heute (aktuell in der Stadt Pulheim) fordert die Bezirksregierung die Städte auf eine Erhöhung ihrer Wohnungsdichte zu erreichen und neue Siedlungsgebiete auszuweisen. Dieser Entwicklung müssen Politik und Verwaltung in der Kolpingstadt Kerpen frühzeitig proaktiv begegnen und Stadtplanung nach eigenen Vorstellungen nachhaltig gestalten.

Bei diesen Annahmen und Entwicklungen ist zu beachten, dass ihnen bereits zum jetzigen Zeitpunkt nicht genügend Wohnraum im infrastrukturell günstig erschlossenen Bereichen gegenüber steht. Die Bevölkerungszunahme wird sich deshalb im Kreisgebiet vor allem auf die, an die Metropole Köln angrenzenden Städte sowie die verkehrstechnisch sehr günstig gelegene Kolpingstadt Kerpen fokussieren.

Vor diesem Hintergrund beantragt die FDP-Fraktion eine umfassende Fortentwicklung der Stadtplanung einzuleiten. Konkrete Möglichkeiten sehen wir im Stadtteil Buir, im Bahnhofsumfeld Horrem, der bisherigen Neuen Mitte Sindorf, rund um den Walter und Marga Boll-Platz, und auch weiteren Flächen dieser Sindorfer Ost-West-Achse, sowie am westlichen Rand des Stadtteils Kerpen.

Bei solchen Weiterentwicklungen sind sowohl die wirtschaftlichen Belange, als auch die Wünsche und Forderungen der Bevölkerung nach Erhalt der Lebensqualität und des ökologischen Gleichgewichts zu berücksichtigen. Die Verwaltung soll die Fortentwicklung in regelmäßiger Abstimmung mit dem Ausschuss für Stadtplanung und Verkehr vornehmen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Gez. Oliver Niederjohann          Gez. Christian Pohlmann

Fraktionsvorsitzender                Mitglied im Ausschuss für Stadtplanung und Verkehr

 

F.d.R. Isabelle Batzdorf

Fraktionsgeschäftsführerin