Europagymnasium Kerpen darf keine zweite Erftlagune werden

25. Juli 2017, News

Die FDP Kerpen warnt vor Fehleinschätzungen und erneuert ihre Position zum Neubau des Gymnasiums.

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Kerpen. Nicht lange ist es her, dass die Sanierung der Erftlagune nach langen Grundsatz-Diskussionen fraktionsübergreifend beschlossen wurde. Kontroverse Argumente trafen aufeinander, um am Ende des Entscheidungsprozesses zum Wohle der Bürger, der Familien und vor allem der Kinder dieser Stadt parteiübergreifend die Sanierung des maroden Bauwerkes zu beschließen. Christian Pohlmann, Vorsitzender des Stadtverbands und Bundestagskandidat:

„Wir Liberale stehen hier auf der Seite des Bürgermeisters, der schon sagte, dass ein Schwimmbad zur Daseinsvorsorge gehöre.  Eine Stadt ohne ein Bad ist wie ein Obstkorb ohne Bananen und Äpfel.“

Von ursprünglich 1,9 Millionen auf über 4 Millionen sind die Kosten herangewachsen. Die Gründe für dieses finanzielle Desaster sind mannigfaltig. Ungenaue Untersuchungen und unzureichende Prüfungen der vorhandenen Bausubstanz mögen nur ein Teil sein, gefolgt von Unwissenheit und „gutem Glauben“ der Verwaltung.

„Eine Verwaltung die mit dem Anbau von Kindergärten oder der Errichtung von Spielplätzen schon an ihre Grenzen komm,t kann nicht verantwortlich gemacht werden für die desaströse Entwicklung bei einem solchen Großprojekt wie der Erftlagune. Aber es offenbaren sich hier die Schwächen des Systems und die gilt es für die Zukunft zu verstehen und anzunehmen“, so Oliver Niederjohann, Fraktionsvorsitzender der Liberalen im Rat der Stadt Kerpen.

Nach Ansicht der Liberalen braucht ein Großprojekt wie dieses geschultes und sachkundiges Personal, Fachkundige und Sachverständige sowie unabhängige und vertrauensvolle Analysen und Bestandsaufnahmen, um Nachforderungen wie jüngst vom Fliesenleger und anderen Gewerken in horrender Summe zu vermeiden.

„An der Sanierung der Erftlagune zeigt sich –  wie so oft in Deutschlands Städten und Gemeinden – wie unberechenbar und unkalkulierbar sich eine Sanierung auf die Kosten auswirken kann. Zählt man eins und eins zusammen, würde sich schon sehr schnell zeigen, dass ein Neubau kalkulatorisch oftmals besser zu fassen ist“ ergänzt Ahmet Ilhan, Fraktion- und Ratsmitglied der freien Demokraten.

Stoppen lässt sich dieses Projekt nun nicht mehr und es wäre den Bürgerinnen und Bürgern der Kolpingstadt auch kaum mehr vermittelbar, warum man großzügig auf 2 Millionen Euro Investition verzichtet. Zu viel schon wurde aus des Bürgers Geldbeutel geschöpft. Steigende Grundsteuern, verdreckte Straßen und überquellende öffentliche Mülltonen mögen hier nur ein Indikator für die ohnehin schon ruinöse Finanzlage der Stadt sein.

Schon bald wird die Kolpingstadt vor einer neuen noch größeren Herausforderung stehen bei der es gilt aus den Fehlern der Erftlagune zu lernen und Selbstüberschätzung und Missmanagement zu vermeiden. Sanierung oder Neubau des Europagymnasiums.

Das Europagymnasium, die wohl größte Schule Deutschlands mit höheren Schülerzahlen als das Friedrich-Schiller-Gymnasium im baden-württembergischen Marbach und das Gymnasium im niedersächsischen Achim, mit mehr als 100 Klassenräumen, drei Schulhöfen und einer Bibliothek mit mehr als 33.000 Büchern, bröckelt.

Der in die Jahre gekommene Bildungskomplex, dessen erste Gebäudeteile Anfang der 70er-Jahre errichtet wurden, kämpft nicht nur mit steigenden Schülerzahlen. Auch Anforderungen, die sich aus der Inklusion ergeben, können im vorhandenen Gebäudebestand nur mit großem Aufwand bewältigt werden. Der Schulentwicklungsplan zeigt langfristig weitere stabile Schülerzahlen auf, so dass schon jetzt von einem Raumdefizit von mehr als 20 klassengroßen Räumen ausgegangen wird.

Herabfallende Unterkonstruktionen der Decke, durchnässte Wärmedämmungen, spröde, wasserdurchdringende Dächer und Fassaden sowie die allgemeine marode Grundsubstanz der beiden Gebäudekomplexe zehren am Image der Superlative. Asbest belastete Teile der Fassade, ebenso wie diverse zwingend notwendigen Maßnahmen zum Brandschutz fordern eine konzeptionelle und bauliche Neuentwicklung oder Sanierung des Gymnasiums.

Abstrus erscheint den Liberalen im Zusammenhang der jüngsten Ereignisse zur Erftlagune die Äußerung der Verwaltung im letzten Jahr, dass „aus fachlicher Sicht… etwa 95 Prozent für eine Sanierung des bestehenden Gebäudes und fünf Prozent dagegen“ sprechen. Die Betonskelettbauweise der Europaschule sei ideal, um „sie systematisch runterzubauen“. (Quelle: http://www.ksta.de/1329060 ©2016)

„Einmal mehr gilt es nun aus der Entwicklung Erftlagune zu lernen und die nötigen Schritte aus den Erkenntnissen zu ziehen. Unabhängige Gutachten, sachverständliche Unterstützung und das Nutzen von Kernkompetenzen sind unvermeidlich und werden von uns nachhaltig eingefordert. Die Verwaltung kann und darf nicht als federführende Instanz agieren. Jede noch so kleine Sache, die vergessen wird, und jede noch so unwichtig erscheinende Detailfrage, die man auf später vertagt, kann eklatante Auswirkungen zur Folge haben, wie wir sie jetzt schmerzvoll am Beispiel Erftlagune sehen“ so Pohlmann weiter.

Rüdiger Schmidt, Stv. Vorsitzender der FDP Kerpen ergänzt: „Schon letztes Jahr benannten wir die große Portion Optimismus, wenn über Sanierungen nachgedacht wird. Wer jemals auch nur versucht hat, ein altes Haus zu modernisieren, der weiß, wovon wir reden. Fliesen abzuschlagen und Wände neu zu bekleben, das ist das eine, aber den Schimmel, der in feuchten Wänden stetig neue Wege findet, zu besiegen und dafür Sorge zu tragen, dass neue Sporen nicht durch neue Fugen dringen, das ist nur mit einem Höchstmaß an Aufwand und Kosten zu bewerkstelligen, abgesehen von den Abgründen die sich hinter verputzten Wänden und betonierten Böden auftun können. Das dürfte nun auch der Verwaltung bewusst geworden sein.  Ein Neubau ist für uns nicht nur deshalb unausweichlich sondern eben auch um die Beeinträchtigungen der Schülerinnen und Schüler während des laufenden Unterrichts in Grenzen zu halten. Wir hoffen auf eine ähnliche Einschätzung aller Entscheidungsträger und appellieren hier zum Wohle unserer Kinder und der Stadt zu handeln.“

Die Freien Demokraten bestätigen und bekräftigen hier einmal mehr ihre Position.

„Der Neubau des Europa Gymnasiums hat für uns Priorität. Wir werden im Interesse der Zukunft, mit Blick auf die Entwicklung unserer Kinder, die Interessen der Schüler, der Elternschaft und der Lehrer agieren. Eine zweite Erftlagune können und wollen wir uns als Kolpingstadt nicht leisten und werden wir als Freie Demokraten nicht unterstützen. Wir fordern auf zum Mut, zur Korrektur der Selbsteinschätzung innerhalb der Verwaltung und der Entscheidungsträger, zum Eingeständnis, dass manche Dinge in die Hand von Spezialisten gehören und zum Handeln mit Blick auf die Zukunft unserer Stadt und unsere Kinder“ so Christian Pohlmann abschließend.