Kerpener Liberale regen Untersuchung zur Reduzierung der CO2-Emission im Stadtgebiet an

05. Oktober 2017, News

 

Erfolgreiche bundesweite Projekte sollen auf Umsetzbarkeit im Stadtgebiet überprüft werden.

Fahrrad 275x200Auch wenn Teile der Koalition erst mit dem Besitz eines eigenen E-Fahrzeugs auf die stockende Infrastruktur aufmerksam werden und die fehlende Verfügbarkeit von Parkplätzen zur Betankung medienwirksam beklagen, betrachten die Freien Demokraten in Kerpen die ehrgeizigen Klimaziele ganzheitlich und verweisen auf mögliche Wege, wie diese erreicht werden können.

Schon seit den frühen 80er Jahren gab es immer Initiativen, die den wissenschaftlichen Exposees zum Klimaschutz gefolgt sind. Neue Technologien wurden entwickelt und Verbote per Gesetz ausgesprochen, um das größer werdende Damoklesschwert „Ozonloch“ wenigstens in seiner Ausdehnung zu stoppen.

Damals ging es nicht um Stickoxid (NOx), sondern um die sogenannten Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Ein Maßnahmenpaket von Regierung und Industrie sowie die allgemeine Sensibilisierung der Bürger sorgten rasch für eine wissenschaftlich darstellbare Verbesserung der Ausgangslage.

Aber es sind nicht nur die Stickoxide, die zum Erreichen der ehrgeizigen Klimaziele und zum Schutz der heranwachsenden, kommenden Generationen zu minimieren sind. Kohlendioxid (CO2) und Kohlenmonoxid-Emissionen (CO) sind neben Ruß und Methan-Abdampfungen, wie sie beim Tanken entstehen, andere, im Rahmen der Dieselgate-Affäre fast schon vergessenen Klimakiller.

„Grund genug, in Klausur zu gehen und nach Wegen zu suchen, die wissenschaftlich nachweisbare Dringlichkeit zur Reduzierung von Kohlendioxid und Stickoxid nicht nur auf den Diesel zu beschränken“ so Oliver Niederjohann, Fraktionsvorsitzender im Rat der Kolpingstadt.

Vielmehr gilt es nach Ansicht der Liberalen, vor der eigenen Haustüre zu kehren und schon dort ein Minimum der klimakillenden Emissionen anzustreben. „Die oft benannte E-Mobilität ist sicher ein großer Baustein zur Reduzierung der Klimakiller und bedarf, gerade hier in Kerpen, ohne Zweifel noch mehr Aufmerksamkeit und Umsetzungswillen. Doch wie bei einem Zahnrad sind viele kleine Zacken notwendig, um das Rad zum Drehen zu bewegen. So bereist der Bürgermeister beispielsweise ortsnahe Termine mit dem E-Bike“, erklärt Niederjohann.

Dass ein E-Bike nicht alles sein muss, zeigen andere Städte im Bund. Die westfälische Stadt Münster zum Beispiel geht bei der Straßenreinigung neue Wege. Nach erfolgreichem Testbetrieb bei den Abfallwirtschaftsbetrieben Münster (AWM) wurde im Frühjahr 2017 ein vollelektrisches Kompaktkehrfahrzeug in den Regelbetrieb übernommen und sorgt seit dem völlig abgasfrei für eine saubere Innenstadt. Bei gleichbleibendem Lebenszyklus spart die Kehrmaschine jährlich rund 26 t CO2 ein. Neben diesem positiven Effekt fährt das Kehrfahrzeug auch wirtschaftliche Gewinne ein, da die Betriebskosten rund 70 % niedriger ausfallen als bei vergleichbaren Dieselfahrzeugen. Regelmäßige und kostenintensive Motorenwartungen entfallen und elektrischer Strom ist im Vergleich zu Dieselkraftstoff wesentlich günstiger.

Ein anderer völlig neuer Ansatz zur CO2 Reduzierung in Innenstädten wird derweil im Saarländischem Merzig mit Unterstützung der Telekom Tochter T-Systems vorbereitet. Die Suche nach einem Parkplatz soll leichter werden und die CO2 Belastung reduziert werden. Anders als bei der bekannten App „Park Now“ melden im Testfeld von „Smart Parking“ 30 in den Boden eingelassene Sensoren die Verfügbarkeit von Stellplätzen an eine App und machen somit das System nicht nur genauer, sondern auch unabhängiger von der subventionierenden Autoindustrie. Die unbequeme und stressige Suche nach einem Parkplatz wird so beseitigt und die unzähligen „Durchfahrungen“ der Innerstadt mit den damit verbundenen Schadstoffbelastungen vermieden.

„Wir werden oft gefragt ob wir mit Digitalisierung lediglich den Ausbau des Datennetzes oder die Breitbandverfügbarkeit meinen. Nein. Die Antwort ist klar und spiegelt sich in solchen Projekten wie zum Beispiel dem Smart Parking wieder.  Hier zeigen sich die Möglichkeiten, wie sich durch Digitalisierung das Bedürfnis der Menschen nach Effizienz mit den ehrgeizigen Klimazielen verbinden lassen. Mit starken Partnern an der Seite lassen sich solche Projekte sicher auch hier in Kerpen umsetzen und mögen neben den erwähnten Effekten zur Erreichung der Klimaziele sicher auch Signalwirkung auf andere Städte und Kreise haben“ so Ahmet Ilhan, Liberaler Stadtverordneter im Rat.

Die Freien Demokraten der Stadt Kerpen gehen noch einen Schritt weiter und greifen die erfolgreiche Aktion “Ihr Handgriff spart” unserer Schweizer Nachbarn auf.  Mit dieser Aktion ermöglichen Städte wie St.Gallen oder auch Baden den privaten Haushalten einfach und clever, Energie und Wasser zu sparen und so die CO2-Emissionen zu reduzieren. Alle Haushalte können von Sparbrausen zum Preis von 10 Franken profitieren, finanziell subventioniert unter anderem von der Stiftung KliK (Klimaschutz und CO2-Kompensation).

„Ohne Komforteinbußen ist mit Wasser sparenden Duschbrausen bis zu 50% Wasserersparnis möglich. In einem durchschnittlichen Haushalt bedeutet das rund 800 kWh eingesparte Energie. Bei Warmwasser Erzeugung mit Gas oder Heizöl werden so rund 200Kg CO2 pro Haushalt vermieden, was bei der Größe der Kolpingstadt zu einem nicht unwesentlichen Faktor zur Erreichung der Klimaziele beitragen würde. Auch hier kann ich mir sehr gut starke Partner vorstellen die bereit wären eine solche Aktion zu fördern“ meint Niederjohann.

Rüdiger Schmidt, stellvertretender Vorsitzender des Stadtverbandes ergänzt: „Wenn wir schon bei Wasser sind, so mag ich mir alleine das Potenzial von Regenwasser vorstellen. Welche Möglichkeiten tun sich da auf von Natur gegeben Ressourcen zu profitieren und nachfolgenden Generationen eine „bessere Welt“ zu hinterlassen, als unsere Urgroßväter das taten. Regenwasser in Zisternen gesammelt, sowohl im privaten als auch vor allem im öffentlichem Raum, kann dazu beitragen, nicht nur das kostbare Trinkwasser zu schonen, sondern eben auch massiv die CO2 Reduzierung voran treiben. Schauen wir uns nur den Neubau GEO I der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) an. Hier wird zur Toilettenspülung nur auf Regenwasser gesetzt. Städtische Gebäude, Schulen und jeder Neubau kann mit gesammeltem Niederschlagswasser zum Beispiel über adiabate Kühlung als indirekte Verdunstungskühlung klimatisiert werden. Mit einem Kubikmeter Wasser erhält man circa 700 kWh Kühlleistung.“

“Obwohl wenn das Bundesverwaltungsgericht mit einem Urteil von 2001 festgelegt hat, dass in einem Bebauungsplan keine Festsetzungen zur Regenwassernutzung getroffen werden dürfen, sprich Regenwassernutzungsanlagen verpflichtend von den Grundstückseigentümern zu betreiben sind, sollte die Verwaltung das Potential für kommende, städtische Bauprojekte in ihrer Planung berücksichtigen,“ so Schmidt weiter.

Die Freien Demokraten des Stadtverbands Kerpen greifen das große Potential der unterschiedlichen technischen Möglichkeiten zur Unterstützung der ehrgeizigen Klimaziele auf und fordern die Überprüfung zur Umsetzung und Teilrealisierung im Stadtgebiet.