Schließung der Postfiliale & Co.

02. Juli 2018, Kommentar aus Kerpener Sicht
Tamer Kandemir

von Tamer Kandemir

Die zum August 2018 geplante Schließung der Postfiliale am Stiftsplatz stößt sicherlich zu Recht auf Kritik, auch der Appell unseres Bürgermeisters an das Unternehmen, an der Filiale festzuhalten, ist wichtig und richtig. Trotzdem wird die Postbank von der anscheinend bereits getroffenen Entscheidung nicht abrücken. Denn das Outsourcing des Geschäftes in Partner-Filialen ist eine Strategie, an der nicht nur die Deutsche Post festhält. Aber die andauernde Monopol-Stellung ermöglicht ihr auch in Zukunft, diese Strategie der unternehmerischen Entscheidung in Form einer personellen und gebäudetechnischen Einsparpolitik selbstbewusst weiter zu verfolgen. Proteste und Appelle gehen dabei an ihr vorbei, wohl wissend und darauf vertrauend, dass die Bürgerinnen und Bürger sich an die neue Situation schnell gewöhnen werden.

Horrem und Sindorf bereits ohne Alte Post

Wie das funktionieren kann, sieht man an Beispielen in Horrem und Sindorf. Dort sucht man vergeblich nach Post(bank)-Filialen, weil sie bereits vor geraumer Zeit aufgegeben und in privaten Partner-Filialen integriert wurden. Heute muss man mittlerweile feststellen, dass die Jugend sich kaum noch mehr an die alten Postfilialen erinnern kann und sich an diese Art der Dienstleistung gewöhnt hat. Und die ältere Generation der Bürgerinnen und Bürger pflegt zwar noch die Alte Post-Erinnerungskultur, aber weint sie ihr doch mittlerweile  keine Träne mehr nach.

Postfiliale am Stiftsplatz nicht mehr zeitgemäß

Sicherlich ist die Postbank-Filiale günstig und zentral gelegen und sehr gut erreichbar, auch hat man sich in den Jahrzehnten daran gewöhnt. Aber ehrlicherweise muss man auch zugeben, dass sie optisch nicht dem heutigen Standard entspricht und die Filiale nicht gerade als modern bezeichnet werden kann. Auch ist sie dunkel und für heutige Maßstäbe zu eng und zu klein und man fühlt sich nostalgisch in die 80`er Jahre zurückversetzt. Das verleiht ihr zwar einen gewissen Charme, aber auch die Post muss wohl mit der Zeit gehen. Ob das denn nun auf Kosten der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der Kundenzufriedenheit gehen musste, und nicht eine einfache Modernisierung ausgereicht hätte, muss sich die Postbank selbst in Gewissen reden.

Politik eher zurückhaltend

Selbstkritisch muss sich jedoch die Politik fragen, warum sie sich bei anderen Umstrukturierungsmaßnahmen eher zurückgehalten und die Entscheidung mindestens zur Kenntnis genommen hat. Wie beispielsweise die Schließung der Deutschen Bank-Filiale, ebenfalls am Stiftsplatz, mit der das Unternehmen viele Kundinnen und Kunden vergrault und meines Erachtens auch zu Recht verloren hat. Wem ist es denn zuzumuten, nach Bergheim oder nach Frechen zu fahren, nur um Geld einzahlen zu können? 

Auch die Kreissparkasse in Mödrath hat vor einigen Jahren sich entschieden, in den Erft-Karee umzuziehen. Während dort nun neben einer Geschäftsstelle der Kreissparkasse, in der alle Bankgeschäfte möglich sind, im Umkreis von 50 Metern ein zusätzlicher SB-Pavillion zur Verfügung steht, warten die Bürgerinnen und Bürger in Mödrath seit Jahren auf einen Ausgleich für ihr Stadtteil, wenigstens in Form eines Geldausgabeautomaten oder Selbstbedienungsterminals. Besonders ältere Menschen haben auf Grund der langen Wegstrecken seitdem Schwierigkeiten, die einfachsten Bankgeschäfte zu erledigen.

Ältere Menschen sind besonders betroffen

Auch die AOK-Filiale in Kerpen wurde geschlossen. Die nächste Filiale ist in Bergheim, mit der die Kerpener AOK auch zusammengelegt worden ist. Grundsätzlich spricht nichts dagegen, dass auch Krankenkassen aus betriebswirtschaftlichen Gründen die Anzahl der Filialen und die Filialstruktur gebündelt werden. Sicherlich hat die AOK auch das Problem, dass insbesondere junge oder jüngere Kunden sich von anderen Krankenkassen mehr angezogen fühlen und verstärkt wechseln. Dagegen bleiben aber in der Regel ältere Kunden der AOK auch in Kerpen treu. Das ist auch die Gruppe, die nun verstärkt von der Zentralisierung der ,,Ortskrankenkasse” betroffen sind, weil für sie der persönliche Kontakt bisher stets wichtig gewesen ist und sie nun Schwierigkeiten haben. Zum einen, weil die meisten Seniorinnen und Senioren immer noch nicht Computer- und Internetaffin sind, zum anderen ist ein persönlicher Kontakt auf Grund der gesundheitlichen Einschränkung, die komplizierte ÖPNV-Anbindung und weiteren altersbedingten Problemen als schwierig zu beurteilen.

Das ist eine Entwicklung, die besorgniserregend ist, aber auch zeigt, dass die Politik sich zu wenig einmischt und doch direkt und indirekt mitentscheidet. Denn letztendlich ist man an diesen genannten Institutionen mitbeteiligt. Ob auf Bundesebene, Landesebene, Kreisebene oder kommunaler Ebene.

Tamer Kandemir