Offener Brief an Herrn Scharping, Fraktion UWG / Die Linke

04. Juli 2018, Fraktionsbüro, Teaser

Sehr geehrter Herr Scharping,

ich nehme Ihr Schreiben vom 12.6.2018 an unseren Bürgermeister Spürck zum Anlass, um Ihnen mitzuteilen, dass diese Art des Schreibens einem demokratisch gesinnten Menschen nicht würdig ist.

Mit Ihrem Schreiben beleidigen Sie nicht nur unseren Bürgermeister, sondern auch die Bürger dieser Stadt, welche ihn gewählt haben.

Ich erwarte von Fraktionsmitgliedern einer demokratischen Partei, dass diese die Würde des einzelnen Menschen zu wahren wissen. Ich erwarte, dass diese repräsentativ für die Bürger den sachlichen, fairen Austausch zu pflegen wissen. Ich erwarte auch, dass sie das Amt, das sie innehaben, bestmöglich ausüben – im Sinne der Stadt und der Bürger.

Hierzu zählen auch solch einfachen kommunikativen Stile wie „sehr geehrter Herr Bürgermeister“ zu schreiben – anstatt „Herr Bürgermeister“.

Und wenn Sie Begriffe wie „Boshaftigkeit“, unerträglicher Arroganz“ verwenden: Wer verbietet Ihnen hierbei sachliche Informationen als Unterfütterung zu liefern?

Und wenn Sie ausführen, dass „Grundlagen“ zerstört werden? Wer verbietet Ihnen, wertschätzende Kommunikation als Grundlage zu nehmen und selbst Vorbild zu sein?

Ihr kommunikativer Stil sowie der einiger Ihrer Fraktionsmitglieder betrübt mich in meinem Vertrauen und in meinem Glauben an die Zukunft dieser Stadt und seiner Bürger. Soll das die Zukunft des gemeinsamen Austausches sein? Sollen wir das der heranwachsenden Generation als Vorbilder weitergeben? Soll Respektlosigkeit gegenüber demokratisch gewählten Personen und Institutionen die Grundlage unseres Zusammenlebens bilden?

Eine würdige Vertretung im Stadtrat stelle ich mir nicht in Ihrem Stile vor: Ich für meinen Teil habe mir nicht nur als Stadträtin geschworen, die demokratische Verfassung dieses Landes und seiner Vertreterinnen und Vertreter zu schützen.

Demokratie bedeutet für mich auch, solche Menschen zu verstehen und an Ihre Vernunft zu appellieren, welche mit der Demokratie nichts anzufangen wissen oder die Demokratie auszunutzen wollen, um anarchische Zustände herstellen und Diktaturen aufzubauen! Sie wollen doch sicherlich nicht solch eine Generation in Deutschland aufwachsen sehen?

Sie müssten am besten persönlich, aktuell und sehr neuzeitlich wissen, welche Länder in relativ kurzer Zeit ihre demokratischen Grundsätze verloren haben und welche Konsequenzen das für sie alle hat! Und Sie können auch von einer Sache ganz gewiss ausgehen: Demokraten werden das „Feld“ des fairen Austausches auch dann nicht räumen, wenn es unfair bespielt wird!

Also appelliere ich hiermit an Sie und Ihre Fraktionsmitglieder: Lassen Sie uns gemeinsam die demokratische Verfassung unseres Landes schützen – so auch die Würde der gewählten Vertreter dieses Landes wie die des unseren Bürgermeisters!

Und ändern Sie bitte Ihren kommunikativen Stil!

Mit freundlichen Grüßen,

Gez. Dr. Askim Bozkurt, Stadtverordnete

Gez. Ahmet Ilhan, Stadtverordneter

 

(Das im offenen Brief angesprochene Schreiben der UWG/Linksfraktion an Herrn Bürgermeister Spürck finden Sie hier im Ratsinformationssystem der Stadt Kerpen.)

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