Initiative zur besseren Vernetzung Kerpens durch den ÖPNV

15. Januar 2019, Anträge / Anfragen

blauer Gelenkbus 275x200Sehr geehrter Herr Ausschussvorsitzender Ripp,

die FDP-Fraktion im Rat der Stadt Kerpen beantragt zur Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung und Verkehr am 29.01.2019, o. g. Punkt auf die Tagesordnung zu nehmen und folgenden Beschlussentwurf zur Abstimmung zu stellen:

Beschlussentwurf:

Der Ausschuss beschließt, als Zukunftsprojekt im Rahmen des Strukturwandels eine Initiative zur besseren Vernetzung der Kolpingstadt Kerpen durch den ÖPNV.

Der Fokus soll zunächst auf einer besseren Verknüpfung zwischen den Hauptlinien parallel zur Erftachse mit derzeit unzureichend angebundenen Gebieten des Stadtteils Kerpen und den Ortsteilen in Randlage – Manheim-neu, Bergerhausen/Blatzheim und Buir – liegen.

In diesem Rahmen beauftragt der Ausschuss die Verwaltung, in Zusammenarbeit mit der Rhein-Erft-Verkehrsgesellschaft REVG ein detailliertes Konzept mit Kostenkalkulation zur Realisierung folgender Vorhaben zu erarbeiten und dem Ausschuss vorzulegen:

  1. Ringbuslinie Kerpen: Errichtung einer Ringbuslinie von / ab Haltestelle Erft-Karree als Verknüpfungs- und Umsteigepunkt mit hochfrequenter Anbindung der Gebiete Kerpen-Industriegebiet/Boelcke-Kaserne, Manheim-neu und Kerpen-Nordwest (obere Stiftstrasse mit Neubaugebieten/EKZ, Quartier Nordring, ISEK-Projektgebiet). Die Option, auf dieser Linie als Pilotprojekt im Gebiet der REVG Fahrzeuge mit alternativen Antriebsarten einzusetzen, ist zu prüfen.
  2. Verbesserung und Neuordnung der ÖPNV-Anbindung des Raumes Blatzheim/Bergerhausen, Buir, Manheim-alt und -neu, Geilrath/Dorsfeld unter Analyse des neuen Szenarios nach Vorlage des Berichts der „Kohlekommission“ und den sich daraus für diesen Raum ergebenden Folgen durch einen vorzeitigen Braunkohleausstieg. Die Anbindung dieses Raumes an den in der Evaluierungsphase befindlichen neuen S-Bahn-Haltepunkt Geilrath/Dorsfeld ist dabei zu bewerten.

Besonderes Augenmerk ist auf Förderungsmöglichkeiten dieser Vorhaben durch zukünftig der Region für den Strukturwandel zur Verfügung stehenden Förderprogramme zu richten, um die Belastung für den Haushalt der Kolpingstadt Kerpen zu minimieren.

Für diese Maßnahmen, insbesondere für das Teilprojekt Ringbuslinie Kerpen, werden in den Doppelhaushalt 2019/2020 für das Jahr 2019 50.000 € und für das Jahr 2020 100.000 € eingestellt.

Begründung:

Der ÖPNV in Kerpen ist auf den Hauptstrecken parallel zur Erft teilweise bereits gut ausgebaut. Ein Beispiel ist der 20-Minuten-Takt zwischen Kerpen und Sindorf durch Synchronisierung der Linien 911, 920 und 922. Während die Verknüpfung der großen Stadtteile entlang der Erft untereinander relativ gut ist, sind die weiter von der Erftachse entfernt gelegenen Stadtteile schlecht durch den ÖPNV erschlossen.

Weiterhin sind Gebiete des Stadtteils Kerpen, für die große Stadtentwicklungsprojekte in der Planung oder Realisierung sind, momentan nur rudimentär durch den ÖPNV abgedeckt. Die mit Umsetzung dieser Projekte durch Anwohner-, Berufs- und Schülerverkehr ausgelösten zusätzlichen Verkehrsströme erfordern ein besseres ÖPNV-Angebot als wettbewerbsfähige Alternative zum Individualverkehr.

Folgende Entwicklungen machen eine bessere Erschließung von Kerpen-Nordwest einschließlich des Bereichs Industriegebiet/Boelckekaserne durch den ÖPNV erforderlich:

  • Industriegebiet Kerpen: zusätzliche Arbeitsplätze, z.B. durch Bauprojekt „Log-Plaza 3“ Carl-Zeiss-Straße
  • Areal Boelckekaserne: Derzeit Nutzung als Landeseinrichtung für Flüchtlinge mit stark auf den ÖPNV angewiesenem Personenkreis, mittelfristig eventuell Konversionsfläche für Stadtentwicklungsprojekte
  • voraussichtlich weiteres Anwachsen der Schülerzahlen der Europaschule nach Nachbau an neuem Standort, eventuell Nutzung der Altfläche als Neubaugebiet
  • wachsender Stadtteil Manheim-neu
  • Neubaugebiete Vinger Weg / Stiftstrasse
  • Quartiersentwicklung im Rahmen des ISEK-Projekts

Das westlich davon liegende Kerpener Stadtgebiet – Bergerhausen/Blatzheim, Buir, Manheim-alt und -neu, Geilrath/Dorsfeld – wird massiv und unmittelbar von den Auswirkungen der Ergebnisse der „Kohlekommission“ betroffen sein, welche voraussichtlich einen früheren Ausstieg aus der Braunkohleförderung vorschlagen wird. Daraus werden sich Konsequenzen, aber auch große Chancen für die Neugestaltung und Verbesserung der ÖPNV-Anbindung dieser Fläche ergeben.

Ein Konzept für die Anbindung des im Evaluierungsstadium befindlichen Projekts „S-Bahnhaltepunkt Dorsfeld/Geilrath“ an die benachbarten Ortsteile ist notwendig, um Pendlerströme auf diesen Haltepunkt lenken zu können.

Es besteht kurzfristig Handlungsbedarf, tragfähige Konzepte zu entwickeln, um diese Zukunftsprojekte der Kolpingstadt Kerpen beim Wettbewerb um Mittel aus den voraussichtlich für den Strukturwandel der Region zur Verfügung stehenden neuen Förderprogrammen gut zu positionieren und die Belastung für den Haushalt der Kommune zu minimieren.