Kerpen braucht Investitionen in Schulen – nicht in mehr Chefsessel
FDP lehnt geplante Ausweitung der Verwaltungsspitze ab
12.12.2025 Meldungen FDP-Ratsgruppe Kerpen

Die Kerpener Liberalen kritisieren den gemeinsamen Antrag von CDU und SPD zur Ausweitung der Verwaltungsspitze scharf. Während die Stadt in einer handfesten finanziellen Schieflage steckt, sollen über 400.000 Euro jährlich für eine neue Dezernentenstelle, eine Gehaltsanpassung, eine zusätzliche Stabsstelle sowie eine weitere Position im Bürgermeisterbüro ausgegeben werden. Das ist weder vermittelbar noch verantwortbar.
Besonders irritierend: Der neue Bürgermeister hatte angekündigt, sich in seinen ersten 100 Tagen zunächst ein umfassendes Bild der Verwaltung machen zu wollen. Diese Analyse ist weder abgeschlossen und wahrscheinlich noch nicht einmal ernsthaft begonnen worden. Aber trotzdem wird jetzt im Rekordtempo an der Verwaltungsspitze herumgebaut. Woher kommt diese Eile? Und warum gerade jetzt?
„Wir ringen in jeder Haushaltsberatung um jeden Euro, diskutieren, wie Steuererhöhungen vermieden werden können und gleichzeitig sollen neue Spitzenpositionen geschaffen werden“, erklärt Wolfgang Pfeil, Vorsitzender der FDP-Ratsgruppe. „Das passt vorne und hinten nicht zusammen.“
In vergleichbaren oder größeren Städten wie Bergheim, Hürth, Grevenbroich oder Bergisch Gladbach komme man mit weniger Führungsebenen aus. Die FDP fordert stattdessen eine strukturelle Überprüfung auf unteren Ebenen: „Wir brauchen starke Teamleitungen und klare Prozesse, aber nicht noch mehr Führung von oben.“
Die FDP zeigt Unverständnis für das organisatorische Hin und Her. „Da scheint einiges mit heißer Nadel gestrickt worden zu sein“, so Pfeil. „Das Fördermittelmanagement wurde nach unseren Informationen erst kürzlich unterhalb der Kämmerei eingeordnet. Jetzt taucht es plötzlich als Stabsstelle der Dezernatsleitung V wieder auf. Das ist ein einziges Hin und Her, aber keine durchdachte Verwaltungsmodernisierung.“
Kritisch sieht die FDP auch die geplante Personalaufstockung im Bürgermeisterbüro. Aktuell umfasst die Organisationseinheit Bürgermeisterbüro, Presse, Datenschutz 3,5 Stellen. Repräsentationsaufgaben werden darüber hinaus bereits durch die innere Verwaltung unterstützt, wofür ebenfalls Personal bereitsteht. Die neue Stelle soll rund 95.000 Euro im Jahr kosten.
„Wir sehen keinerlei Notwendigkeit für diese zusätzlichen Ausgaben“, so Pfeil. „Die Begründung, das Aufgabenspektrum sei mit den bestehenden Stellen nicht mehr zu bewältigen, ist nicht nachvollziehbar. Kerpen hat einen Pressesprecher, warum braucht es bei knapper Kasse eine weitere Stelle für Social Media und Homepage?“
Die FDP setzt sich für eine schlanke, handlungsfähige Verwaltung ein. Kerpen braucht effiziente Strukturen, Priorität für Bildung und Investitionen in die Zukunft statt einen aufgeblähten Verwaltungsapparat oder gar eine überstürzte Neuordnung der Chefetage.
