Chance auf Synergien zwischen neuem Bauhof und Bildungscampus
Millionen-Projekte in der Nachbarschaft nutzen
27.02.2026 Meldungen FDP-Ratsgruppe Kerpen

Zur kommenden Sitzung des Stadtrates am 3. März 2026 bringt die FDP-Ratsgruppe eine Ergänzung zum Tagesordnungspunkt „Neubau des Bau- und Betriebshofes der Kolpingstadt Kerpen“ ein. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, ob sich durch eine engere Abstimmung mit dem benachbarten Ausbildungszentrum der Bauindustrie NRW (ABZ) substanzielle Synergien und Einsparpotenziale realisieren lassen.
Nur rund 300 Meter vom geplanten städtischen Bauhof entfernt entsteht derzeit der neue Bildungscampus für Bauberufe – ein mit rund 66 Millionen Euro aus Landes- und EU-Mitteln gefördertes Projekt des Strukturwandels. Parallel dazu plant die Stadt den Neubau des Bau- und Betriebshofes mit derzeit veranschlagten Kosten von etwa 45 bis 47 Millionen Euro in der Vorentwurfsphase (Leistungsphase 2 nach HOAI). Vor diesem Hintergrund regt die FDP an, mögliche Überschneidungen beider Projekte systematisch zu prüfen, bevor endgültige Festlegungen getroffen werden.
„Wenn zwei große Bauvorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft entstehen, sollte man bewusst nach gemeinsamen Lösungen suchen, statt Strukturen doppelt vorzuhalten“, erklärt Ratsmitglied Tamer Kandemir. Die FDP-Ratsgruppe beantragt daher, die Verwaltung zu beauftragen, eine förmliche Anfrage an die Bauindustrie NRW zu richten. Ziel ist es zu klären, ob trotz fortgeschrittener Planungen noch die Bereitschaft und organisatorische Möglichkeit besteht, beide Vorhaben kurzfristig koordiniert zu betrachten.
Im Zentrum der Überlegungen steht zunächst ein gemeinsames Infrastruktur- und Kooperationskonzept. So könnte etwa geprüft werden, ob Stellflächen zeitversetzt genutzt werden können. Der Bauhof benötigt Parkraum überwiegend tagsüber, während der Campus mit Internat vor allem in den Abendstunden und am Wochenende Bedarf hat. Eine solche abgestimmte Nutzung könnte die Dimensionierung des geplanten Parkhauses am Bauhof deutlich reduzieren oder im besten Fall entbehrlich machen. Allein hierfür sind derzeit rund 5,7 Millionen Euro eingeplant. Darüber hinaus sieht die FDP Potenzial bei der Nutzung von Seminar- und Besprechungsräumen, Werkstätten sowie bei modernen Arbeitsplatzkonzepten. Denkbar wäre, dass der Bauhof als Praxispartner für den Bildungscampus fungiert und umgekehrt bestimmte räumliche Kapazitäten gemeinsam genutzt werden. Auch eine abgestimmte Energieversorgung – beispielsweise über ein gemeinsames Nahwärmenetz, perspektivisch unter Einbindung weiterer öffentlicher Gebäude – könnte langfristig Investitions- und Betriebskosten senken. Ergänzend sollen eine koordinierte Baustellenlogistik sowie gemeinsame Entsorgungs- und Wertstoffkonzepte geprüft werden.
Neben den Synergieüberlegungen weist Kandemir darauf hin, dass bei einem Investitionsvolumen dieser Größenordnung eine umfassende Wirtschaftlichkeitsuntersuchung unerlässlich sei. „Gerade bei geschätzten Kosten von bis zu 47 Millionen Euro sollte transparent geprüft werden, welches Realisierungsmodell für die Stadt am wirtschaftlichsten ist“, so Kandemir. Die FDP betont, dass es zunächst um eine ergebnisoffene Prüfung und einen konstruktiven Dialog gehe. Sollten sich konkrete Einspar- und Optimierungsmöglichkeiten ergeben, könnten diese nicht nur den städtischen Haushalt entlasten, sondern zugleich ein starkes Signal für effiziente und partnerschaftliche Projektentwicklung im Rahmen des Strukturwandels setzen.
