Mehr Personal löst keine Strukturprobleme
FDP Kerpen fordert Klarheit und Kontrolle bei der Digitalisierung
27.04.2026 Meldungen FDP-Ratsgruppe Kerpen

Im Vorfeld der Entscheidung des Stadtrates über zusätzliche Stellen im Bereich Digitalisierung (Drucksache 715.25) stellt die FDP-Ratsgruppe Kerpen die bisherige Strategie der Kolpingstadt grundsätzlich in Frage. Trotz eines kontinuierlichen Stellenaufbaus seit 2022 bleiben die Ergebnisse der digitalen Transformation hinter den Erwartungen zurück.
Seit 2022 wurden mehrere Stellen für die IT sowie zur Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes (OZG) geschaffen. Ergänzt wurde dies durch eine Leitungsebene mit dem Auftrag, die Digitalisierung strategisch zu steuern und tragfähige Strukturen aufzubauen. „Die bisherigen Ergebnisse reichen nicht aus“, erklärt Ratsmitglied Tamer Kandemir. „Ein neuer Internetauftritt und einzelne Online-Formulare sind sichtbare Fortschritte, aber die internen Abläufe sind offensichtlich nicht im gleichen Maß modernisiert worden.“
Kritisch bewertet die FDP-Ratsgruppe die Begründung für die nun vorgesehenen 1,5 zusätzlichen Stellen. Die Verwaltung führt an, dass Aufgaben bislang häufig ohne klare Zuständigkeiten „nebenbei“ erledigt wurden. „Wenn zentrale Prozesse über Jahre ohne klare Struktur laufen, stellt sich die Frage, warum die vorhandenen Ressourcen insbesondere auf der Leitungsebene nicht früher für eine Neuorganisation genutzt wurden“, so Kandemir. „Erst fehlen klare Zuständigkeiten, dann entstehen Engpässe und am Ende soll mehr Personal die Lösung sein.“
Der Vorsitzende der FDP-Ratsgruppe, Wolfgang Pfeil, fordert mehr Transparenz über den aktuellen Stand der Digitalisierung. Im Haupt- und Finanzausschuss hatte er darauf hingewiesen, dass regelmäßig im Rat oder Ausschuss über den Fortschritt der Digitalisierung berichtet werden sollte. „Das ist überfällig. Wir müssen zunächst wissen, wo wir stehen. Erst dann können wir verantwortungsvoll entscheiden.“
Vor dem Hintergrund der angespannten Haushaltslage fordert die FDP-Ratsgruppe eine klare Priorisierung. „Mehr Personal führt nicht automatisch zu besseren Ergebnissen“, betont Kandemir. „Ohne funktionierende Strukturen wird zusätzliche Personalkapazität das Problem nicht lösen, sondern nur teurer machen. Digitalisierung muss Abläufe verbessern und nicht dauerhaft Kosten erhöhen.“

