Umsetzung der beschlossenen gastronomischen Nutzung und Belebung der Hahnenstraße im Zuge des Neubauvorhabens Hahnenpassage / Lidl

Antrag zum Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Umwelt

20.07.2026 Anträge FDP-Ratsgruppe Kerpen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Jurczyk,

die FDP-Ratsgruppe im Rat der Kolpingstadt Kerpen bittet, o.g. Punkt auf die Tagesordnung der kommenden Sitzung des Ausschusses für Stadtplanung, Verkehr und Umwelt zu nehmen.

Hintergrund

Die Hahnenstraße ist die Hauptstraße und damit das Aushängeschild von Kerpen-Mitte. Genau hier, im Bereich der sogenannten Hahnenpassage, wird der Lidl-Markt neu gebaut. Damit entsteht ein Gebäude, das den Charakter der Hahnenstraße und das Gesicht unserer Innenstadt für viele Jahrzehnte prägen wird.

Bereits im Jahr 2021 wurde im Rahmen einer umfassenden Bürgerbeteiligung und im Arbeitskreis Hahnenpassage intensiv darüber beraten, wie dieser Neubau zur Belebung der Hahnenstraße beitragen kann. Damals wurde auch die Möglichkeit einer aktiven Nutzung direkt zur Straße hin – insbesondere einer Eisdiele oder vergleichbaren Gastronomie – diskutiert. Lidl hatte sich in dieser Phase in vielen Punkten gesprächsbereit gezeigt. Der Entwurf mit dem gastronomischen Angebot wurde im Anschluss auch beschlossen.

Durch politische Forderungen, die von vornherein unrealistisch waren (insbesondere die Debatte um Wohnungen auf dem Dach), wurde das Projekt jedoch über Jahre verzögert. Diese Verzögerungen führten nicht nur zu zeitlichem Stillstand, sondern auch dazu, dass die Eisdiele Scarzanella, mit der seinerzeit Gespräche über eine Ansiedlung im Neubau geführt wurden, entnervt auf der gegenüberliegenden Seite der Hahnenstraße eröffnete. In der Folgezeit stiegen zudem durch den Ukraine-Krieg und die damit verbundenen Lieferengpässe die Baukosten massiv an.

Nun liegen dem Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Umwelt überarbeitete Fassadenvarianten vor, in denen eine aktive Nutzung zur Hahnenstraße hin nicht mehr vorgesehen ist. Stattdessen plant das Unternehmen überwiegend eine geschlossene Fassade zur Hauptstraße. Damit steht nicht allein die Frage im Raum, welche Fassadenvariante optisch ansprechender ist. Entscheidend ist vielmehr, ob der Neubau an dieser zentralen Stelle auch einen erkennbaren Beitrag zur Belebung der Hahnenstraße und der Hahnenpassage leisten kann. Vor diesem Hintergrund sollen die nachfolgenden Punkte geprüft und mit dem Investor erörtert werden:

Beschlussvorschlag

Die Verwaltung wird beauftragt,

  1. mit dem Investor Lidl zeitnah Gespräche aufzunehmen, um zu prüfen, ob an der zur Hahnenstraße gelegenen Gebäudeseite eine öffentlich zugängliche und belebende Nutzung ermöglicht werden kann, beispielsweise durch ein Café, eine Eisdiele, Außengastronomie oder ein vergleichbares Angebot;
  2. mit Lidl zu erörtern, aus welchen Gründen die ursprünglich beschlossene gastronomische Nutzung in den aktuellen Entwürfen nicht mehr vorgesehen ist und unter welchen Voraussetzungen diese oder eine vergleichbare Nutzung weiterhin realisiert werden könnte;
  3. zu prüfen, ob für eine entsprechende Nutzung lokale Betriebe, gastronomische Anbieter oder weitere Interessenten in Betracht kommen;
  4. dem Ausschuss für Stadtplanung, Verkehr und Umwelt sowie dem Arbeitskreis Innenstadt mögliche Varianten für eine zur Hahnenstraße hin offene und belebende Nutzung vorzulegen;
  5. dabei auch darzustellen, welche baulichen, wirtschaftlichen oder planungsrechtlichen Voraussetzungen gegebenenfalls einer solchen Nutzung entgegenstehen;
  6. dem Arbeitskreis Innenstadt und dem zuständigen Ausschuss über die Ergebnisse der Gespräche und Prüfungen zu berichten.

Begründung:

Die Hahnenstraße ist die Lebensader von Kerpen-Mitte. Gerade an einer so exponierten Stelle darf nicht allein das wirtschaftliche Interesse des Investors an einer möglichst einfachen und kostengünstigen Bauweise entscheidend sein. Eine geschlossene Fassade spart möglicherweise Fläche und Aufwand, sie schafft aber weder Aufenthaltsqualität noch einen Ort, an dem Menschen gerne verweilen.

Der ursprünglich beschlossene Entwurf mit einem gastronomischen Angebot zeigte dagegen einen anderen Anspruch. Er verband den Neubau mit der Möglichkeit, die Hahnenstraße zusätzlich zu beleben. Durch die lange Verzögerung des Gesamtprojekts, die danach eingetretenen erheblichen Baukostensteigerungen und den zwischenzeitlichen Umzug von Scarzanella auf die gegenüberliegende Straßenseite hat sich die Ausgangslage verändert. Dies darf jedoch nicht automatisch bedeuten, dass die Idee einer aktiven Nutzung zur Hahnenstraße vollständig aufgegeben wird.

Eine optisch ansprechendere Wand ist sicherlich besser als eine ungestaltete Wand. Doch sie bleibt am Ende eine Wand, wenn dahinter kein Konzept für Begegnung, Verweilen und eine lebendige Innenstadt steht. Deshalb soll vor einer endgültigen Festlegung der Fassadengestaltung erneut geprüft werden, ob eine Nutzung möglich ist, die der Bedeutung dieses Standortes gerecht wird.

Die Hahnenpassage und die Hahnenstraße brauchen nach Jahren des Stillstands ein Ergebnis, das nicht nur funktional ist, sondern die Innenstadt tatsächlich stärkt.

			

				
				

Tamer Kandemir

stv. Vorsitzender der FDP-Ratsgruppe, Beisitzer im Stadtverbandsvorstand

mehr erfahren