Europagymnasium: FDP fordert konsequente Kostenkontrolle
Kerpens Liberale verlangen Transparenz bei Folgekosten und offenen Vergaben
10.09.2026 Meldungen FDP-Ratsgruppe Kerpen

Am Dienstag, 15. September 2026, feiert die Kolpingstadt Kerpen den offiziellen Spatenstich für den Neubau des Europagymnasiums Kerpen-Nord. Mit rund 213 Millionen Euro ist es die größte Einzelinvestition der Stadtgeschichte. Die FDP-Ratsgruppe verbindet den Termin mit einer klaren Erwartung: Das Projekt muss in der nun beginnenden Bauphase engmaschig, transparent und unter strikter Kostenkontrolle begleitet werden.
Die Verwaltung setzt mit den bereits erfolgten Vergaben und weit fortgeschrittenen Leistungsbeschreibungen einen Ratsbeschluss um. „Dafür machen wir ihr keinen Vorwurf“, sagt Wolfgang Pfeil, Vorsitzender der FDP-Ratsgruppe. „Umso wichtiger ist jetzt der Blick auf alles, was noch nicht vertraglich gebunden ist.“ Hintergrund ist die angespannte Finanzlage der Stadt. Die Kommunalaufsicht hat in ihrem Schreiben zum Haushalt 2026 festgestellt, dass sich das städtische Eigenkapital bis 2029 planerisch um rund 72,7 Millionen Euro und damit um mehr als die Hälfte verringert. Zugleich hat sie darauf hingewiesen, dass noch nicht begonnene Maßnahmen vor ihrer Umsetzung erneut einem Wirtschaftlichkeitsvergleich unterzogen werden sollten, auch mit Blick auf Bauweisen und Ausstattungsstandards.
„Diese Lücke verschwindet nicht von allein“, so Pfeil. „Wenn wir jetzt nicht bei jedem noch offenen Gewerk auf die Kosten schauen, wächst der Druck, die Grundsteuer weiter zu erhöhen. Unsere Sorge ist, dass am Ende die Bürger die Rechnung bezahlen müssen. Das sprechen wir offen aus, bevor es so weit ist.“
Die Liberalen fordern daher, dem Rat die vollständige Folgekostenberechnung des Neubaus einschließlich Zinsen, Abschreibungen, Betrieb und Unterhalt vorzulegen. Für alle noch nicht vergebenen Leistungen soll die von der Kommunalaufsicht angesprochene Wirtschaftlichkeitsprüfung durchgeführt werden. Dazu gehört auch ein Vergleich möglicher Bauweisen und Ausstattungsstandards. Dabei geht es nicht um Einsparungen zulasten der pädagogischen Qualität oder der Sicherheit, sondern um wirtschaftliche Bauweisen, angemessene Standards und eine konsequente Kontrolle der noch beeinflussbaren Kosten.
Darüber hinaus braucht das Projekt eine baubegleitende Kostenkontrolle mit regelmäßigen Berichten an den Rat. Auch die von der Kommunalaufsicht geforderte und jährlich fortzuschreibende Prioritätenliste aller städtischen Investitionen muss zügig vorgelegt werden. Eine entsprechende Ratsanfrage nach § 55 GO NRW hat die FDP-Ratsgruppe gestellt; die Kommunalaufsicht wurde über den Sachstand informiert.
„Wir stellen das Gymnasium nicht infrage, unsere Kinder brauchen es“, betont Pfeil. „Aber ein Ja zum Projekt ist kein Blankoscheck. Jeder Euro, den wir bei den noch offenen Vergaben wirtschaftlich sinnvoll einsparen, entlastet den städtischen Haushalt und verringert den Druck auf die Grundsteuer.“
Birgit Rosenbaum
sachkundige Bürgerin der FDP-Ratsgruppe, Beisitzerin im Stadtverbandsvorstand
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