Verbesserung der Unterbringung und Unterstützung obdachloser Menschen in der Kolpingstadt Kerpen
Antrag zum Ausschuss für Soziales und Gleichstellung
19.12.2025 Anträge FDP-Ratsgruppe Kerpen

Prüfung flexibler Unterbringungsmöglichkeiten,
Entwicklung eines Angebots für obdachlose Menschen mit Hunden sowie Einrichtung eines „Runden Tisches Obdachlosigkeit“
Sehr geehrter Herr Ausschussvorsitzender Meex,
die FDP-Ratsgruppe im Rat der Kolpingstadt Kerpen bittet, o.g. Punkt auf die Tagesordnung der kommenden Sitzung des Ausschusses für Soziales und Gleichstellung am 03.02.2026 zu nehmen und stellt hierzu nachfolgenden Beschlussvorschlag zur Abstimmung vor.
Beschlussvorschlag:
Die Verwaltung wird beauftragt,
- Flexibilisierung und Optimierung der Unterbringung obdachloser Menschen
- zu prüfen, aus welchen Gründen die Unterbringung obdachloser Menschen in Kerpen derzeit nicht die Flexibilität aufweist, die in anderen Bereichen – wie beispielsweise bei der Unterbringung Geflüchteter – gewährleistet ist,
- darzustellen, welche organisatorischen, rechtlichen oder strukturellen Hemmnisse einer kurzfristigen und niedrigschwelligen Unterbringung entgegenstehen und welche Maßnahmen geeignet sind, diese Hindernisse abzubauen,
- zu prüfen, ob Unterkünfte, die für die Unterbringung von Geflüchteten vorgehalten werden, temporär oder teilweise auch für Kerpener Bürgerinnen und Bürger in akuten Wohnungsnotfällen nutzbar gemacht werden können,
- aufzuzeigen, welche weiteren kommunalen oder externen Räumlichkeiten kurzfristig als Notunterkünfte aktiviert oder reaktiviert werden könnten.
- Entwicklung eines Angebots für obdachlose Menschen mit Hunden
- zu prüfen, ob im Rhein-Erft-Kreis bzw. in der Kolpingstadt Kerpen ein Unterbringungsmodell analog zum Nürnberger Projekt „QuarTier“ der Johanniter realisierbar ist,
- geeignete Gebäude oder Räumlichkeiten zu identifizieren, die für ein solches Angebot in Betracht kommen könnten,
- mögliche Kooperationspartner (z. B. freie Wohlfahrtsverbände, Hilfsorganisationen, Tierhilfsvereine) hinsichtlich ihrer Bereitschaft zur Mitwirkung anzufragen.
- Einrichtung eines „Runden Tisches Obdachlosigkeit“
- einen regelmäßig tagenden „Runden Tisch Obdachlosigkeit“ für die Kolpingstadt Kerpen einzurichten, an dem Vertreterinnen und Vertreter
- der freien Träger,
- ehrenamtlicher Initiativen,
- des Sozialamts der Kolpingstadt Kerpen und weiterer relevanter Fachbereiche,
- der Wohnungsnotfallhilfe,
- des Rhein-Erft-Kreises,
- sowie der im Rat vertretenen Fraktionen
- einen regelmäßig tagenden „Runden Tisch Obdachlosigkeit“ für die Kolpingstadt Kerpen einzurichten, an dem Vertreterinnen und Vertreter
teilnehmen sollen und dessen Auftrag es ist, bestehende Versorgungslücken zu identifizieren, koordinierte Hilfestrukturen zu fördern und Vorschläge für eine kommunale Gesamtstrategie zur Vermeidung und Bewältigung von Obdachlosigkeit zu erarbeiten.
Begründung:
Die Zahl der Menschen, die in der Kolpingstadt Kerpen von Wohnungsverlust bedroht sind oder bereits ohne festen Wohnsitz leben, nimmt seit Jahren deutlich zu. Die gesetzliche Verpflichtung der Kommunen zur Vermeidung von Obdachlosigkeit gemäß §§ 67 ff. SGB XII wird aufgrund steigender Fallzahlen, personeller Engpässe und fehlender Unterbringungskapazitäten zunehmend erschwert.
Parallel hierzu zeigt sich, dass in anderen Bereichen – insbesondere bei der Unterbringung Geflüchteter – funktionierende Strukturen bestehen, die durch klare Abläufe, schnelle Finanzierung und definierte Zuständigkeiten geprägt sind. Diese Diskrepanz führt zu berechtigtem Unverständnis in der Bevölkerung und macht eine Überprüfung der bestehenden Unterbringungsstrukturen für obdachlose Menschen erforderlich.
Ein besonders gravierender Versorgungsmangel besteht für obdachlose Menschen, die mit einem Hund leben. Die Kolpingstadt Kerpen bietet aktuell keinerlei Unterbringungsmöglichkeiten für diese Personengruppe an, obwohl andere Kommunen – wie Nürnberg mit dem Johanniter-Projekt „QuarTier“ – praktikable und erfolgreiche Lösungsmodelle entwickelt haben.
Die wachsende Problemlage erfordert daher nicht nur punktuelle Einzelmaßnahmen, sondern eine koordinierte, strukturierte und nachhaltige Bearbeitung. Ein „Runder Tisch Obdachlosigkeit“ bietet hierfür eine geeignete Plattform, um Expertise zu bündeln, Zuständigkeiten zu klären und gemeinsame Lösungsansätze zu entwickeln.
