Standortübergreifendes Synergiekonzept: Neubau „Kommunaler Bau- und Betriebshof der Kolpingstadt Kerpen“ sowie „Ausbildungszentrum der Bauindustrie NRW in Kerpen“ für Bauberufe (ABZ)

Antrag zum St

27.02.2026 Anträge FDP-Ratsgruppe Kerpen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Jurczyk,

die FDP-Ratsgruppe bittet, den oben genannten Tagesordnungspunkt in der kommenden Sitzung des Stadtrats am 03.03.2026 um den nachfolgenden Beschlussvorschlag zu ergänzen und diesen zur Abstimmung zu stellen:

 Beschlussvorschlag:

Der Stadtrat beauftragt die Verwaltung, eine förmliche Anfrage an den Bauherren des neu geplanten Bildungscampus für Bauberufe, die Bauindustrie NRW zu zustellen und anzufragen, ob diese zum jetzigen Zeitpunkt   – zu dem die Grundlagenermittlung und z.T. die Vorentwurfsplanung beider Projekte bereits erfolgt ist –  noch bereit ist, eine gemeinsame und koordinierte Prüfung der beiden räumlich unmittelbar benachbarten Planungen (ca. 300 m Distanz) kurzfristig vorzunehmen mit nachfolgendem Ansatz und Ziel.

Da aus allgemeiner Erfahrung bei größeren Bauvorhaben dieser Art anzunehmen ist, dass es bei wesentlichen Teilen der jeweiligen Raumprogramme zu Dopplungen und ähnlichen Bedarfen kommt, erscheint es sinnvoll, diese möglichen Überschneidungen und Doppelressourcen der beiden Projekte zu identifizieren und ggf. durch Anpassung und Modifizierung der jeweiligen Planungen abzustellen.

Erwünschtes Ziel wäre in einem ersten Schritt die Erarbeitung eines gemeinsamen Infrastruktur- und Kooperationskonzepts zwischen den kommunalen und privaten Partnern, die im Übrigen bereits bei der Förderantragstellung für den Bildungscampus der Bauindustrie NRW über Jahre eng zusammengearbeitet haben (siehe: Das neue ABZ – Ein Vorzeigeprojekt des Strukturwandels in Kerpen – CDU Kolpingstadt Kerpen ), um die Investitions- und späteren Unterhaltungskosten beider Vorhaben zu senken, die Flächenversiegelung zu minimieren und inhaltliche Synergien in der Ausbildung zu nutzen.

Im Einzelnen könnten dabei folgende Parameter untersucht werden:

Shared Parking und Aussenflächeneffizienz:

  • Es ist zu prüfen, ob durch eine zeitlich versetzte Nutzung ebenerdiger Stellflächen (Bauhof tagsüber, Campus/ Internat abends und am Wochenende) die Dimensionierung des geplanten Parkhauses am Bauhof reduziert oder ganz auf einen Bau verzichtet werden kann. Ziel ist die Einsparung von Investitionskosten (Planansatz Parkhaus: ca. 5,7 Mio. €) und die Vermeidung unnötiger Hochbauten.

Kooperation in Ausbildung und Praxis in Verbindung mit Nutzflächeneffizienz:

  • Die Verwaltung soll prüfen, inwieweit der Bauhof als Praxispartner für den Bildungscampus fungieren kann.

Zudem soll untersucht werden, ob durch die Mitnutzung der Seminarraumkapazitäten des Campus auf die Vorhaltung großflächiger Besprechungsräume im Verwaltungsbau des Bauhofs verzichtet werden kann. Damit   – und ggf. sogar durch heutzutage durchaus übliche „Kombi – Nutzung“ einzelner Büroarbeitsplätze –   könnte der Flächenansatz des Verwaltungsgebäudes des kommunalen Bauhofes deutlich gesenkt werden.

Zudem könnte geprüft werden, ob auch Werkstatträume gemeinsam gleichzeitig oder zu unterschiedlichen Zeiten von beiden Partnern genutzt werden könnten.

Prüfung einer gemeinsamen Wärmeerzeugungsanlage (Nahwärmenetz für Bildungscampus und Baubetriebshof sowie später Europagymnasium)

  • Es ist zu prüfen ob und inwieweit es durch Abstimmung bei der Wahl der jeweiligen Heiztechnik   – aber auch der übrigen Haustechnik, wie z.B. der (regenerativen) Strom- und EDV – Versorgung –   zu gravierenden technischen und wirtschaftlichen Einsparungen bei der Errichtung und insbesondere beim zukünftigen Unterhalt und Betrieb der jeweiligen Liegenschaften kommen könnte.

Koordinierte Baulogistik und Verkehrsführung:

  • Um die Belastung für das Umfeld zu minimieren, ist eine gemeinsame Baustellenlogistik (Zufahrten, Lieferzeiten) zu vereinbaren. Für den späteren Betrieb sollen zudem gemeinsame Entsorgungs- und Wertstoffkonzepte geprüft werden.

Die Verwaltung wird gebeten, dem Stadtrat zeitnah über die Ergebnisse der Gespräche und die daraus resultierenden Einsparpotenziale zu berichten.

Insbesondere wäre für die Kolpingstadt Kerpen von Interesse, ob die vorgenannten Prüfungen lediglich bei einzelnen Kostengruppen des kommunalen Bauvorhabens zu Einsparungen und Optimierungen führen könnten oder ob sich dies auch für das Projekt der Bauindustrie NRW ggf. ergibt und in welchen Bereichen konkret.

Ob es das Ergebnis der o.g. Prüfung in einem zweiten Schritt sogar dazu führen könnte, dass beide Bauherren bzw. Bauvorhaben, die seit Jahren parallel geplant werden, aufgrund der offensichtlich erkennbaren Synergien und Vorteile sich dazu entschließen, ihre weitere Planung inhaltlich gemeinsam und ggf. sogar räumlich verbunden weiterführen, könnte zu einem späteren Zeitpunkt u.U.  Gegenstand von weiteren Gesprächen zwischen der Verwaltungs- bzw. Geschäftsführung sein.

Zunächst einmal wäre in einer zeitnahen und höflichen Anfrage an die Bauindustrie NRW und die örtliche Geschäftsführung des Ausbildungszentrums durch die Verwaltungsführung zu eruieren, ob dort ein grundsätzliches Interesse bzw. überhaupt noch die organisatorische und technische Möglichkeit zu einer solchen Abstimmung besteht.

Begründung:

In unmittelbarer Nachbarschaft entstehen mit dem Bauhof und dem Bildungscampus zwei Großprojekte von erheblicher finanzieller Tragweite. Während der Campus mit 66 Mio. Euro an Landes- und EU-Mitteln gefördert wird, belaufen sich die geschätzten Kosten für den neuen Bauhof derzeit, d.h. in Leistungsphase 2 der HOAI (Vorentwurf), bei der + 30 %ige  Abweichungen zu den endgültigen Kosten nicht unüblich sind, bereits auf ca. 45 bis 47 Mio. Euro.

Kritisch anzumerken ist gerade in diesem Zusammenhang auch, dass für den Neubau des Bauhofs keine hinreichende Wirtschaftlichkeitsuntersuchung (WU) vorgelegt, gar in Betracht gezogen wurde. Eine solche Untersuchung ist jedoch gesetzlich geboten, um vorab das kostengünstigste Realisierungsmodell – etwa den Vergleich zwischen konventioneller Eigenrealisierung, der Beauftragung eines Totalunternehmers oder ÖPP-Modellen etc.  – zu ermitteln. Ohne diesen fundierten Variantenvergleich bleibt unklar, ob die Stadt Kerpen hier tatsächlich die wirtschaftlichste Lösung für die 47-Millionen-Investition gewählt hat.

Unabhängig davon auch bleibt das Potenzial einer standortübergreifenden Abstimmung mit dem Bildungscampus   – die ja in gewisser Weise eine örtliche und individuelle Sonderform eines ÖPP – Projektes wäre –   bisher ungenutzt. Besonders beim Thema Parkraum springt selbst für den Laien der Vorteil der komplementären Nutzung ebenerdiger Flächen sofort ins Auge und damit die Chance, z.B. das 5,7 Mio. Euro teure Parkhaus einzusparen. Eine isolierte Planung „Rücken an Rücken“ führt zwangsläufig zu ineffizienten Doppelstrukturen.

Eine koordinierte Planung erscheint daher   – das Interesse und Bereitschaft der Bauindustrie NRW vorausgesetzt –   sehr sinnvoll, um die öffentlichen Mittel effizient zu bündeln und den Bauhof als Praxispartner aktiv in den „Strukturwandel“ einzubeziehen und wichtige Synergien zu nutzen, oder davon zu profitieren.

			

				
				

Tamer Kandemir

stv. Vorsitzender der FDP-Ratsgruppe

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