FDP wirft Bürgermeister Widerspruch beim Europagymnasium vor
Fast 183 Millionen Euro sind noch nicht vertraglich vergeben, trotzdem sieht die Verwaltung keine Einsparmöglichkeiten
22.10.2026 Meldungen FDP-Ratsgruppe Kerpen

In seiner Haushaltsrede kündigte Bürgermeister Thomas Jurczyk an, Ausgaben und Standards zu überprüfen und Großprojekte auf den Prüfstand zu stellen. Zukunftsfähigkeit bedeute nicht, „jedes Projekt um jeden Preis zu realisieren“. Die FDP-Gruppe im Rat der Kolpingstadt Kerpen begrüßt diese Aussage, jedoch steht dieser Grundsatz im klaren Widerspruch zu den Auskünften der Verwaltung zum geplanten Neubau des Europagymnasiums.
Hintergrund sind die Antworten der Verwaltung auf eine Anfrage der FDP-Gruppe, die in einer Beschlussvorlage vorliegen. Darin beziffert die Stadt das Gesamtvolumen des Schulneubaus auf rund 213 Millionen Euro. Zum Stichtag waren davon rund 30,2 Millionen Euro vertraglich gebunden; rund 182,8 Millionen Euro waren noch nicht vertraglich vergeben. Dennoch erklärt die Verwaltung, keine Einsparpotenziale zu sehen.
„Wenn der Bürgermeister Standards überprüfen und Großprojekte hinterfragen will, muss das auch für den Neubau des Europagymnasiums gelten“, erklärt Tamer Kandemir, Ratsverordneter der Liberalen die eigene Position. „Bei fast 183 Millionen Euro, die noch nicht vertraglich vergeben sind, soll es gar nichts mehr zu sparen geben? Das ist kaum zu vermitteln, erst recht, wenn gleichzeitig Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen drohen. Die Fahrradüberdachungen für über 1,2 Millionen Euro zeigen doch, dass sich an der Planung noch etwas ändern lässt.“
Kritik üben die Freien Demokraten zudem an den fehlenden Grundlagen zur langfristigen Finanzierung. In der Beschlussvorlage räumt die Verwaltung ein, dass die jährliche Belastung des Haushalts ab der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2031 bislang nicht beziffert werden kann. Zudem wurde kein offizieller Wirtschaftlichkeitsvergleich alternativer Realisierungsmodelle durch ein externes Fachbüro beauftragt.
„Wir wollen den Neubau des Europagymnasiums verhindern. Aber wir verlangen kaufmännische Sorgfalt und eine solide Haushaltsführung“, so Kandemir abschließend. „Bevor Bürgerinnen und Bürger zusätzlich belastet werden, muss die Stadt ihre eigenen Hausaufgaben machen. Wir werden Bürgermeister Jurczyk und sein Team bei den Haushaltsberatungen an dieser Ankündigung messen und konkrete Prüfungen bei den noch offenen Millionenbudgets einfordern.“
Tamer Kandemir
stv. Vorsitzender der FDP-Ratsgruppe, Beisitzer im Stadtverbandsvorstand
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