Maßnahmen gegen Müllproblematik in der Kolpingstadt Kerpen

Antrag zur Sitzung des Umweltausschusses

08.09.2020 Antrag FDP-Fraktion Kerpen

Sehr geehrter Herr Ausschussvorsitzender,

die FDP-Fraktion im Rat der Kolpingstadt Kerpen beantragt, zur kommenden Sitzung des Umweltausschusses, o.g. TOP in die Tagesordnung aufzunehmen und folgenden Beschlussentwurf zur Abstimmung zu stellen:

Beschlussvorschlag:

Der Rat der Kolpingstadt Kerpen beauftragt die Stadtverwaltung mit Herstellern / Anbietern von sogenannten Smart-Pressmülleimern (Press-Hai, Big Belly / Mr. Fill German EcoTec usw.) in Kontakt zu treten und den möglichen Einsatz eines Testbetriebes auszuloten. Gleichzeitig soll eine Auflistung aller vorhandenen öffentlichen Mülleimer in der Kolpingstadt Kerpen erstellt werden, nebst Kostenaufstellung aller anfallenden Entleerungen sowie der dazugehörigen Reinigungsfrequenzen und Instandhaltungskosten. Zielführend soll hierbei die Identifikation von Schwerpunkten und Kostentreibern (spezielle Quartiere, Bahnhofsnähe, Einkaufszentren usw.) sein, die als Basis eines Testbetriebes Berücksichtigung finden könnten. Außerplanmäßige Umfeld-Reinigungen und Abfahrten von Straßenmüll sind dabei zu berücksichtigen und in die Gesamtbetrachtung zu inkludieren.

Begründung:

Überquellende Mülltonnen, abgelegte Flaschen und Dosen, Zigaretten-Kippen und Straßenmüll – An manchen Orten im Stadtgebiet kein seltenes Bild.

Digitale, solarbetriebene und umweltfreundliche Pressmülleimer könnten das Problem von überquellenden Mülleimern lösen. Sie finden sich mittlerweile bundesweit in vielen Städten. Alleine in Hamburg, die die ersten Tonnen bereits vor 5 Jahren installierten, stehen mittlerweile fast 200 selbstpressenden Abfallbehälter, sogenannte Big Bellys. Der Clou der Tonnen: sie haben eine integrierte Müllpresse, solarbetrieben und so leistungsstark, dass sie den Müll so stark zerkleinern, dass die Eimer bei gleicher Größe sieben Mal so viel Abfall fassen wie herkömmliche Tonnen. Inzwischen sind auch andere Fabrikate auf dem Markt und auch in Hamburg im Einsatz. Ihr grundlegendes System ist identisch.

Der Press-Hai zum Beispiel wurde im Rahmen des Projekts „Saubere Stadt“ in den letzten anderthalb Jahren in Stuttgart getestet. Er fasst etwa 700 Liter Müll. Auch hier wird der Abfall direkt nach dem Einwerfen gepresst, wodurch der Press-Hai sein hohes Fassungsvermögen erreicht. Überquellen kann er nicht, da die Klappe automatisch gesperrt wird, sobald er voll ist. Die zuständigen Behörden werden automatisch online per App informiert, und können den Behälter zeitnah und kostengünstig entleeren.

Auch in Osnabrück stehen mit Solaranlage, Müllpresse und Internetanschluss ausgestattete Hightech-Tonnen. Sie verfügen über ein Volumen von 125 Litern die dank solarbetriebener Presse auf bis zu 900 Liter Müll-Aufnahme kommen. Über das Internet meldet der Mülleimer seinen Füllstand an den Osnabrücker Service Betrieb (OSB).

Aus den Niederlanden kommt die intelligente Tonne „Mr.Fill“. Alleine in Amsterdam sind bis jetzt rund 800 Tonnen installiert worden und neuerdings zieren sie auch in Bremen das Stadtbild. 840 Liter Müll werden auf 120 Liter komprimiert. Eine digitalisierte Füllstandsanzeige zeigt an, wie viel Müll noch in den Eimer hineinpasst. Ist der maximale Füllstand erreicht, wird ein Signal per WLAN versandt und eine geeignete Route zur Entleerung für die Fahrer erstellt. Per App können verschiedene Standorte und Füllstände zeitgleich beobachtet werden. Ein Extra-Einwurfloch für Zigarettenkippen sowie ein angebautes Pfandregal und die kontaktlose Benutzungsmöglichkeit (Fußtaster) lassen dieses System durchdachter und nutzungsfreundlicher erscheinen, als die erste, in Hamburg installierte Generation der Big Belly’s. Gerade auch in Zeiten der Covid 19 Pandemie lässt sich so eine erhöhte Akzeptanz der Bürger gegenüber einer digitalen Tonne erreichen, die sonst, aus Sorge vor einer Verunreinigung, die Tonne nicht anfassen würden.

Rund 200.000 Euro spart die Stadtreinigung in Hamburg nach eigenen Berechnungen mit dem Betrieb der Tech-Tonne (auf Nachfrage der FDP der Hamburgischen Bürgerschaft). Der Hauptgrund für die Einsparungen liegt primär im Entfall überflüssiger Leerungen (Behälter nicht voll) sowie eine Verringerung der Leerungsintervalle und Umfeldreinigungen. Laut German Eco Tec, Vertreiber der digitalen Abfallbehälter, können 75% der sonst üblichen Kosten eingespart werden. Zum Vergleich: Die herkömmlichen DIN-Papierkörbe fassen zwischen 50 und 80 Liter. Die Aufwendungen der Kolpingstadt Kerpen zum Auftrag „Leerung Straßenpapierkörbe“ betrugen in 2018 rund 330.000,00 € mit steigender Tendenz (Quelle Beschlussvorlage Drs.-Nr.: 370.19 Mögliche Anschaffung eines weiteren Abfallsammelfahrzeuges für 115.000,00 €) Die Anschaffung eines neuen, zusätzlichen Sammelfahrzeugs wurde im Antrag mit einer „Erhöhung der Leerungsfrequenz“ begründet und würde „….somit dem Problem der überfüllten Abfallbehälter abhelfen…“

Zusammenfassend sind die neuen, digital-intelligenten Tonnen ihren Kinderjahren entwachsen und haben nicht nur aufgrund der Erfahrungen der Vergangenheit dazugelernt. Selbstschließend beugen sie einer neuen Vermüllung vor, reduzieren deutlich die Leerintervalle und eliminieren teure „Leerfahrten zur Entsorgung“ der Stadtbetriebe. Intelligente Steuerung, digitale Füllstandsübermittlung mitsamt computerunterstützter Planung zur Optimierung der Entleerungswege eröffnen deutliche Kostenreduzierungen nach Amortisierung. Gestalterisch aufgewertet, mit markigen Sprüchen und modernen Slogans (Vorbild Hamburg) bereichern sie das Stadtbild und fordern geradezu auf den Müll in „hungrige Münder“ zu legen. Leasing Optionen der Anbieter eröffnen neue Möglichkeiten unter wirtschaftlichen Betrachtungen.

Dem Wunsch der Kerpener Bürgerschaft nach ästhetischem Stadtmobiliar und sauberen Straßen würde die digitale Mülltonne entgegenkommen, denn niemand mag etwas in einen verdreckten Abfalleimer stopfen.

Rüdiger Schmidt

Sachkundiger Bürger

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