Keine politischen Vorgaben beim Bauen
𝗙𝗗𝗣 𝘄𝗶𝗹𝗹 𝗺𝗲𝗵𝗿 𝗙𝗹𝗲𝘅𝗶𝗯𝗶𝗹𝗶𝘁ä𝘁 𝗳ü𝗿 𝗞𝗲𝗿𝗽𝗲𝗻
28.05.2026 Meldungen FDP-Ratsgruppe Kerpen

Birgit Rosenbaum spricht sich für nachhaltige, aber gleichzeitig bezahlbare und praktikable Lösungen bei städtischen Bauprojekten aus.
Die FDP-Ratsgruppe im Rat der Kolpingstadt Kerpen macht auf Probleme bei der Planung städtischer Bauprojekte aufmerksam. Hintergrund ist ein Ratsbeschluss aus dem Jahr 2020, nach dem bei öffentlichen Gebäuden möglichst mit Holz oder in Holzhybridbauweise geplant werden soll. Nach ihrer Ansicht führt das mittlerweile häufiger dazu, dass Projekte zunächst mit einer Holzbauplanung starten, obwohl sich später herausstellt, dass diese Lösung für das jeweilige Gebäude technisch schwierig, deutlich teurer oder am Ende nicht sinnvoll umsetzbar ist. In solchen Fällen müssen Planungen teilweise neu überarbeitet oder grundlegend angepasst werden.
„Wer bauen will, muss denken dürfen. Wenn Planerinnen und Planer von Anfang an auf eine bestimmte Bauweise festgelegt sind, arbeiten wir gegen die Realität – und am Ende gegen den Haushalt. Das können wir uns nicht leisten“, sagt Birgit Rosenbaum, FDP-Mitglied im Bauausschuss.
Nach Auffassung der FDP zeigt sich hier inzwischen ein grundsätzliches Problem. In den vergangenen Jahren seien in Kerpen zahlreiche Beschlüsse rund um nachhaltiges und klimagerechtes Bauen gefasst worden – von Standards und Selbstverpflichtungen bis hin zu Konzepten und strategischen Vorgaben. Vieles davon sei nachvollziehbar und mit guten Absichten beschlossen worden. Im Alltag entstehe dadurch aber zunehmend ein Regelwerk, das immer schwerer überschaubar werde und Planungen komplizierter mache. Ausschussmitglied Birgit Rosenbaum habe deshalb versucht, sich einen vollständigen Überblick über die derzeit geltenden Vorgaben und Beschlüsse zu verschaffen. Selbst nach intensiver Recherche sei das kaum noch möglich gewesen. Für die FDP sei genau das ein deutliches Zeichen dafür, dass die bestehende Situation überprüft werden müsse.
Die FDP-Ratsgruppe bringt deshalb zwei Vorlagen in den Bauausschuss ein. Zum einen soll der Holzbau-Grundsatzbeschluss aus dem Jahr 2020 (Drucks.-Nr. 445.20) aufgehoben werden. Zusätzlich wurde eine Anfrage an die Verwaltung gestellt, mit der Bitte, die aktuell geltenden Regelungen und Beschlusslagen im Bereich nachhaltiges und klimagerechtes Bauen vollständig darzustellen. Dabei gehe es nicht darum, die Verwaltung anzugreifen. Vielmehr solle offen aufgezeigt werden, welche Vorgaben sich im Alltag bewährt haben, wo Doppelstrukturen entstanden sind und an welchen Stellen Verfahren unnötig kompliziert geworden seien. Gleichzeitig wolle die FDP der Verwaltung die Möglichkeit geben, selbst Vorschläge für einfachere und praktikablere Abläufe einzubringen.
Rosenbaum betont zudem, dass die FDP keinen Rückschritt beim Klimaschutz wolle. Das Ziel aus dem Jahr 2020, städtisches Bauen nachhaltiger auszurichten, sei weiterhin richtig. Allerdings gebe es inzwischen deutlich konkretere und rechtssicherere Instrumente, mit denen Nachhaltigkeit ohnehin berücksichtigt werde – etwa über Klimastandards in Bebauungsplänen, Vorgaben zu Photovoltaik und Dachbegrünung oder das Klimaanpassungskonzept ARKE. Außerdem habe die Verwaltung bereits 2022 erklärt, dass die offene Prüfung verschiedener Baustoffe längst Teil des normalen Planungsalltags sei.
„Wir wollen keinen geringeren Klimaschutz, sondern Regeln, die in der Praxis funktionieren. Gute Ziele bringen wenig, wenn Planungen dadurch immer komplizierter, langsamer und teurer werden“, erklärt Birgit Rosenbaum.
Für die FDP gehört Technologieoffenheit zu einer verantwortungsvollen Haushaltspolitik dazu. Fachleute müssten bei jedem Projekt die Möglichkeit haben, die technisch sinnvollste, wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung zu prüfen – ohne politische Vorfestlegungen. Denn wenn Planungen später wieder umgestellt oder neu begonnen werden müssten, koste das zusätzliche Zeit und am Ende auch zusätzliches Geld.
Gerade mit Blick auf die großen Bauprojekte der kommenden Jahre – Schulen, Feuer- und Rettungswache oder weitere Infrastrukturmaßnahmen – brauche die Verwaltung ausreichend Spielraum für sachgerechte Entscheidungen. Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit dürften dabei nicht gegeneinander ausgespielt werden. Beides müsse zusammen gedacht werden.
